Von Glocken und Minaretten
Die Franziskaner nehmen den Impuls auf und führen das Angelusgebet am Abend, dann auch am Morgen und am Mittag ein. Seit dem 16. Jahrhundert ist es offiziell ein Volksgebet der katholischen Kirche und erinnert dreimal am Tag an die Menschwerdung Gottes: an die Liebe des Himmels, die 33 Jahre "mit Leib und Seele" in unserer irdischen Welt leben wollte. Franziskus hat vom Islam gelernt, die Franziskaner von Franziskus und die Kirche von den Franziskanern. Und von wem hat Mohammad gelernt, der das fünfmalige Beten im Alltag zur heiligen Pflicht des Islam machte? Er übernahm es von christlichen Mönchen in Syrien: Sie lebten halb eremitisch in Grotten oder Hütten und liessen sich durch akustische Zeichen mehrmals am Tag zum gemeinsamen Gebet rufen. Mohammad hat das christliche Gebet syrischer Mönche zur Praxis des Volkes gemacht. Und vom wem lernten es die Mönche? Von der Urkirche, frühen Christinnen und Christen, die bei Sonnenaufgang, am Mittag und bei Tagesende beteten, ebenso vor dem Essen und vor jedem Bade (damit die Seele mit dem Leib gereinigt werde). Und vom wem lernte es die frühe Kirche? Aus der jüdischen Praxis! Im Psalmenbuch lesen wir: "Sieben Mal am Tag singe ich dein Lob" (Ps 119,164), und "mitten in der Nacht rufe ich zum Gott meines Lebens" (Ps 42,9).
lslamische Minarette - christliche Glocken - jüdische Psalmen: Zeichen und Früchte einer spirituellen Weisheit, die die grossen Weltreligionen im Tiefsten verbindet!

