Ranftweg

Ranftweg 2010

„Gott selber mehrte die Zahl der ersten Brüder und liess sie seine Zuwendung erfahren.“ (Gef46)

Wie Franziskus unversehens Gefährten und später Gefährtinnen geschenkt wurden, so fanden sich auch in Stans bzw. Sachseln Menschen zusammen, die den Weg in den Ranft trotz Sommerhitze gemeinsam unter die Füsse nehmen wollten.

Inspiriert, gewissenhaft, sorgsam standfest und spielerisch – Franziskus’ gelebte Spiritualität war uns unterwegs Impuls und Brücke ins eigene Leben. Am Ziel eines schönen und schön heissen Weges nach glücklich überstandenem Gewitter versammelt, feierten wir im Ranft mit Menschen, die mit uns gekommen sind und für Menschen, die uns im Leben geschenkt sind, Gottesdienst. Franziskus wollte 1209 den Papst informieren darüber, was Christus im Kreis der Brüder wirkt. Sie zogen zum mächtigsten Papst, der den Titel „Stellvertreter Christi“ für sich allein beanspruchte. Papst Johannes Paul II. erinnerte einmal in einem Interview daran, dass wir als Getaufte alle Stellvertreter und Stellvertreterinnen Christi sind! Die Besinnung im Wortgottesdienst gab reichlich Zeugnis davon, wie wir dieser Sendung nachkommen. Hier eine Kostprobe davon:

 

Wir selber sind Stellvertreter und Stellvertreterinnen Christi.

Ich komme dieser Sendung nach, indem ich...

 

-          Menschen offen, heilsam und befreiend begegne.

-          meinen Weg mit grösserer Geduld und Gottvertrauen gehe.

-          da bin für andere Menschen.

-          immer wieder neu meine Arbeit mit Hingabe verrichte.

-          Augen, Ohren, Füsse und ein Herz für das Leise und Schwache habe. Es soll „An-Sehen“ erhalten.

-          Auf meine innere Stimme höre und Gott um deren Wahrheit bitte.

-          Gott treu bleibe, meinen Weg unbeirrt weitergehe und meine Familie und alle, die ich im Herzen trage,
            betend begleite.

-          Meiner Frau ein guter Mann, und meinen Kindern ein guter Vater sein will.

-          Auf die Stimme des Heiligen Geistes höre und mich von ihr bewegen lasse.

-          wie Jesus mich immer wieder an unseren Vater im Himmel wende, der ihn gesandt hat, und mich von ihm
           senden lasse.

-          lebendig bleibe und Franz’ Botschaft von der Liebe zur Welt zu den Verstossenen und Vergessenen bringe.

-          meinen Kindern und Freunden die frohe Botschaft vermittle.

-          stets die öffentlichen Verkehrsmittel benutze, die Würde der Mitmenschen achte und ihnen freundlich zu
           begegnen versuche, insbesondere den Armen.

-          als Mutter und Frau die christlichen Werte lebe und Glaube, Liebe, Hoffnung an Menschen meiner
           Umgebung weitergebe.

-          am Evangelium Christi festhalte, auf das eigene Gewissen höre und ihm mit dem Blick auf die Schöpfung
           folge – trotz...

-          jeden Tag versuche, Gott in meinen Geschwistern zu begegnen.

-          jeden Tag so lebe, dass ich für andere Vorbild bin.

-          versuche, in meinem Alltag Gott immer willkommen zu heissen.

Dazu passte das Evangelium von jenem Sonntag wunderbar: Jesus sendet seine Jünger, nicht nur die Zwölf, sondern alle in seinem Namen aus! Ein weiter Kreis, der alle Hände voll zu tun bekommt, ein voller Kreis, der zur Saat und zur Ernte gesandt ist .

Jesus gibt seinen Gesandten kein anderes Gesetz und keine Norm, sondern einen befreienden Auftrag: Mit fast leeren Händen Menschen aufzurichten, in ihren Begegnungen heilsam zu sein, Gastfreundschaft anzunehmen, den Frieden in Häuser, Familien, Dörfer und Städte zu tragen, sich durch keine Ablehnung und keine Aggression negativ laden zu lassen – und so Gottes Zuwendung zu allen neu erfahrbar zu machen.

Es ist dieses Evangelium, das Franziskus auf dem ältesten Bild, dem Fresco von Subiaco, in Händen hält, an sein Herz drückt und unter die Menschen bringt: Friede diesem Haus, deinem Haus, den Menschen, die mit dir sind.