Ein Hauch von Paradies
„Aus lichtem Grün“, singt Hildegard von Bingen, „sind die Erde geschaffen und alle Schönheit der Welt! Mit lichtem Grün bringt uns der Mai Nachtigallenlieder, Lieder und Lust!“ Das Lied aus einem Musical von Peter Janssens stimmte im Kulturkloster Dornach Anfang Mai in ein tief-sinnliches Gartenerlebnis ein. Am vierten Momentum-Abend luden Nadia Rudolf von Rohr, Br. Niklaus Kuster und Felix Terrier dazu ein, in die grüne Lebensfülle des Klostergartens einzutauchen: Kräuterbeete, blühende Obstbäume, Blumen in allen Farben, eine Pergola und eine „Baumkathedrale“ weckten nach einem Regentag alle Sinne: leuchtend und glitzernd, duftend und erfrischend.
Sieben meditative Schritte verhalfen dazu, sich als Teil einer Mitwelt zu erleben, in der ein Hauch von Paradies zu atmen ist. Die Anleitung dazu lässt sich in jedem Garten und Wald tief-sinnlich zur Hand nehmen.
Thema des vierten Abends war Fruchtbarkeit. Das Gartenerlebnis verband sich mit dem biblischen Gleichnis des Sämanns und mit einer biografischen Vertiefung. Der Kehrvers aus einem anderen Lied des Hildegard-Musicals fasste die Schritte des Abends in einen dichten Dreiklang:
Drei Kräfte sind im Stein,
drei Kräfte in der Flamme,
drei im Wort!
Der Stein steht für die Natur, das heilige Buch der Schöpfung. Die Flamme ist Symbol für die Liebe, die das eigene Leben fruchtbar macht. Das kraftvollste Wort spricht aus der heiligen Schrift, in der sich Gottes Geschichte mit uns Menschen spiegelt.
Die Strophen des zweiten Liedes sind Einladung in die kommenden Maiwochen:
Trau dem Licht und traue deinem Gott,
trau der Weisheit, die in allem wohnt,
Trau dem Himmel, der den Mut belohnt!
Trau dem Gras, auf dem du heute stehst,
Trau den Steinen, über die du gehst,
Trau dem Wasser, trau dem Himmelblau,
trau den Pflanzen und dem Morgentau.
Traue dem, der diese Welt gemacht,
sie behütet in der dunklen Nacht,
trau der Weisheit, die in allem wohnt,
Trau dem Himmel, der den Mut belohnt!
Drei Kräfte sind im Stein,
drei Kräfte in der Flamme,
drei im Wort!
O Mensch, schau dir den Menschen an!
Du liebst und kannst und weißt,
hast Himmel, Erde, alle Kreatur
schon in dir selbst und bist doch nur Gestalt,
ein Spiegel aller Wunder!
O Mensch, schau dir den Menschen an!
Du liebst und kannst und weißt,
du bist ganz Leib, bist Seele nicht nur und Geist,
du bist ganz Leib, dein schönstes Kleid, der Leib –
ein Spiegel aller Wunder!





