Grenzen erfahren - Geschwister entdecken

Tischgemeinschaft während der jüngsten Bigorio-Tagung der Franziskanischen Schweiz, Ende Juni 2022. Zwanzig Teilnehmende - fünf Brüder Kapuziner, vier Franziskanerinnen und eine Mehrheit aus FG und neuen Kreisen, Singles und Familienleute, stellten sich der Erfahrung von Grenzen, biografischen und gemeinschaftlichen.
Die Tagung begann im bald 500-jährigen Convento di Bigorio spielerlisch und schöpfte dann aus Lebenserfahrungen von Franziskus und Klara.
Vier Strategien aus Franziskus-Geschichten:
1. ich ziehe kompetente Fachleute bei
2. ich delegiere das Problem
3. ich steige aus und schmeisse den Bettel hin
4. ich suche selber einen Lösungsansatz
Diese vier Wege aus Krisen und Grenzerfahrungen vertieften wir mit drei speziellen Gästen: Fra Mauro Jöhri, 12 Jahre als Generalminister der Kapuziner einer der Nachfolger des Poverello, Stefan Rehmann-Hirsbrunnen, in jungen Jahren genetisch bedingt erblindet, Kapuzinerschüler, Familienvater und als Psychotherapeut Leiter des psychiatrischen Ambulatoriums im Regionalspital Brig, sowie Lukas Fries-Schmid, Theologe, Familienmann und Mitglied des Kernteams im Sonnenhügel, einer bunten Klostergemeinschaft, die ein offenes Haus hat für Menschen, die in verletzlichen Lebenssituationen stehen.
In einem weiteren Schritt liessen wir gelebte Modelle aus der Franziskanischen Schweiz zu uns sprechen - und kamen dabei mit sieben weiteren Lösungswegen aus Engpässen in eine persönliche Vertiefung:
Sieben Lösungswege aus dem Schweizer Franziskanien heute
- Mut zum Prophetischen: Zukunft denken, nicht Gegenwart verwalten
- externe Begleitung, um nicht systemimmanent zu bleiben,
- sich breiter abstützen
- nicht an Strukturen festhalten: kleine Änderungen bewirken oft viel
- Transparenz in Analysen und Entscheidungen – und Dialogbereitschaft aller Betroffenen
- Ziele setzen und die Ressourcenfrage danach stellen
- tieferes Vertrauen: auch auf die göttliche Geistkraft setzen!
Impressionen aus der wie jedes Jahr sehr ganzheitlich gestalteten Tagung, die von Mittwochabend bis Freitagnachmittag dauerte und die Farben der "franziskanischen Familie" in ihrem reichen Spektrum zeigte:
Morgenbesinnung auf einer Terrasse im Klostergarten:

Plenumsarbeit in einem Saal, den der Tessiner Star-Architekt Mario Botta in alten Mauern neu gestaltet hat - ein in sich inspirierendes Ambiente!
Apropos: Grenzen seien auch göttlich? Die christliche Gotteserfahrung staunt über einen Gott, der seinen Himmel verliess, um sich Menschen in die Arme zu legen!
Franz von Assisi staunte darüber derart, dass er in Greccio die menschgewordene "Demut Gottes" sinnlich feierte und dabei verdeutlichte, dass sich der Auferstandene in jedem Teilen Seines Brotes Menschen erneut in die Hände gibt. Die letzte Bildimpression zeigt uns in Bigorios einstigem Holzkeller beim geschwisterlichen Feiern dieser Gegenwart.


