Ranftweg

Franz und Klara - zwei Lebensgeschichten im Dialog

FranzKlara PatmosCover FigurenEine neue Doppelbiografie über Franz und Klara: Helmut Schlegel hat sie gelesen und zeigt auf, was sie auszeichnet. Sein Buchtipp findet sich ausführlich weiter unten. Unsere Homepage bietet zu diesem reichhaltigen und schön gestalteten Patmos-Buch ein Gefäss, in dem auch Reaktionen, Beobachtungen und Fragen aufgegriffen werden. 

https://www.franziskus-von-assisi.ch/doppelbiografie

Und was die Gestaltung des Einbands betrifft: Klara war tatsächlich einiges grösser als Franziskus - an Körpergestalt.

 

 

Martina Kreidler-Kos, Niklaus Kuster 
BRUDER FEUER und SCHWESTER LICHT - Franz und Klara von Assisi:
Zwei Lebensgeschichten im Dialog, 
Ostfildern: Patmos Verlag 2021, 376 S.

ISBN 978-3-8436-1301-9, € 29.

 

Der Autor versendet auf Wunsch signierte Exemplare in der Schweiz, die Autorin im EU-Raum, wie der Blick auf Niklaus' Arbeitstisch zeigt: Wünsche an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

DuoBio2021 Widmungstisch

 

Was diese neue Doppelbiografie bietet - in sechs Punkten:

Sie verbindet die beiden Lebensgeschichten in einer Zusammenschau.

Eine der besten Klarakennerinnen blickt dabei als Freundin der beiden und als Familienfrau, ein Franziskusforscher als Bruder und Franziskaner auf die beiden Biografien.

Die aktuelle Forschung wird erzählerisch vermittelt und in reichen Anmerkungen dokumentiert.

Quellenangaben im Text verweisen zu jedem Thema auf die verlässlichsten Originalzeugnisse in den Standardausgaben der Franziskus- und Klaraquellen: eine Hilfe, sich in diesen Bänden mit 3300 Seiten nicht zu verlieren.

Zusätze wie Karten, ein Personenlexikon, Stammtafeln zu Franz' und Klaras Familie, eine Chronologie der franziskanischen Frühgeschichte, ein Glossar der spezifischen Fachbegriffe, eine kurz gefasste Geschichte Assisis von 1000 vC bis 1200 nC sowie ein ausführliches Verzeichnis der internationalen Forschungsliteratur bieten hilfreiche Zusatzinformationen - auch für Studierende und Forschende.

Und last but not least: auch Bilder überraschen, wie die Skultpur von Det  Blumberg zu Klaras Spiegelvision ("Vision von der Brust des Franziskus") - die hier erstmals überhaupt dargestellt wird: er bereits im Himmel, sie noch unterwegs auf dem steilen Weg der Seligkeit - und doch engstens verbunden!

DetBlumberg FranzKlara1

Helmut Schlegels Buchtipp

 

Helmut Schlegel stellt das Buch aus der Sicht eines versierten Lesers vor:

Man mag beim ersten Blick auf das vorliegende Buch an Luise Rinsers „Bruder Feuer“ denken, das die bekannte Autorin vor einem halben Jahrhundert geschrieben hat. Tatsächlich sind beide in einem Punkt verwandt: Sie erzählen Geschichten. Während jedoch Rinsers Buch ein Roman ist, unternehmen Martina Kreidler-Kos und Niklaus Kuster den Versuch, sich gewissenhaft an die historischen Quellen zu halten und zugleich die Menschen von heute mitzunehmen, ihre Fragen zu stellen, ihre Hoffnungen und Ängste zu teilen und - auch dies - ihnen die Porträts als Spiegel vorzuhalten. Ihr Buch verbindet beides: Geschichte und Gegenwart, historische Sorgfalt und Aktualität. 

Im Vorwort betonen sie, dass es ihnen darum geht, „die beiden Lebensgeschichten in einer historisch verlässlichen und spirituell ermutigenden Zusammenschau“ zusammen zu führen. Der Kunstgriff, mit dem ihnen dies gelingt: Sie lassen verlässliche Zeug*innen der Geschichte sprechen. Der Cousin Klaras und langjährige Gefährte von Franziskus Rufino steht im Dialog mit Schwester Pacifica. Sie war eine nahe Freundin der Mutter Klaras und hat diese oft auf ihren zahlreichen Pilgerreisen begleitet. Später schloss sie sich der Gemeinschaft in San Damiano an und hat Klara in ihrer langen Krankheit gepflegt. So kannte sie auch die innere Biografie Klaras. Ebenso war Bruder Rufino, den Franziskus einen Mystiker nannte, mit dessen spirituellem Weg vertraut. Kreidler-Kos und Kuster lassen Schwester Pacifica und Bruder Rufino ihre fiktiven Erinnerungen erzählen, wobei sich ihre Geschichten getreu an den ursprünglichen Quellen orientieren. Der narrative Erzählfaden lässt uns heutige Leser*innen anschaulich das Geschehen von damals und auch dessen gesellschaftlichen Hintergründe miterleben. 

Das Experiment einer Doppelbiographie der zwei Heiligen, die bei aller Verbundenheit in Herkunft, Charakter und Entwicklung doch sehr eigenständig und verschieden sind - haben die Autorin und der Autor bereits in früheren Veröffentlichungen mit Erfolg gewagt. Im Einklang mit den Ergebnissen der modernen Franziskus- und Klaraforschung haben sie deutlich gemacht, dass sich die beiden Lebensgeschichten nicht voneinander trennen lassen. Was die beiden Heiligen verbindet, ist keine romantische Liebesgeschichte, wie es beispielsweise in einigen Filmen dargestellt wurde. Sie ist auch weit mehr als das gemeinsame Projekt neuer Ordensgründungen. Die Beziehung zwischen Klara und Franziskus wird im vorliegenden Buch als eine einzigartige geschwisterliche Freundschaft gezeichnet, deren gemeinsamer Bezugspunkt die unbedingte Nachfolge Jesu darstellt. Nicht zuletzt die behutsame und respektvolle Sprache, mit der dieser Weg gezeichnet wird, lässt Menschen von heute mit Gewinn nach diesem Buch greifen. Wir finden keine abgehobenen und verklärenden Heiligengeschichten, wir finden Menschenschicksale, denen wir uns nahe fühlen, wir lesen von Fragen und Konflikten, von Freuden und Hoffnungen, die wir aus unserem eigenen Leben kennen. 

Was ist nun das „Mehr“ dieser Doppelbiographie? 

Warum lohnt es sich, nach den vielen Biographien über die beiden Heiligen auch diese zu lesen? 

Es gibt drei Gründe. 

Erzählstil

Das vorliegende Buch macht aufgrund des Erzählfadens Lust, selbst „einzusteigen“ in die Geschichte vom Franz und Klara und im Mitgehen die eigene Spur zu entdecken. Das Buch wird sich nicht zuletzt als Vorlesebuch in Seminaren, Gottesdiensten und auf Assisifahrten eigenen. 

Geschlechterrollen

Das Buch liefert gewiss keinen Diskurs zu heute gültigen Geschlechterrollen. Klara und Franziskus geben jedoch ein lebendiges Beispiel, wie das Miteinander zwischen Frauen und Männern in Kirche und Gesellschaft gehen kann: herrschaftsfrei und in gegenseitigem Respekt. 

Hintergrundmaterial

Der Anteil von Kartenmaterial, Quellenangaben, einem Personenlexikon, Glossar und wissenschaftlichen Anmerkungen macht fast ein Drittel des Buches aus. Wer also in die Tiefe gehen will, hat in diesem Buch eine reiche Fundgrube. 

02. 05. 2021 

Helmut Schlegel