Ranftweg

Papst Franziskus in Greccio

Gegeben zu Greccio, im Heiligtum der Weihnachtskrippe, am 1. Dezember 2019, im siebten Jahr meines Pontifikats, steht über der Unterschrift, für die Papst Franziskus Anfang Advent ins Rietital gereist ist. Es ist das zweite Mal, dass der jetzige Bischof von Rom den Spuren seines Vorbild in diesem Jahr sichtbar gefolgt ist und fern von Rom ein Dokument unterschreibt. Im Februar geschah das in der arabischen Welt mit der christlich-islamischen "Erklärung zur Geschwisterlichkeit aller Menschen". Nun ruft Franziskus von Rom in Greccio dazu auf, "in der Schule des heiligen Franziskus" Weihnachten sinnlich darzustellen und mit Leib und Seele in dieses Geschehen einzutauchen.

Jongny Ikonen Betlehem1Die Ikone aus dem Atelier der Klarissen von Jongny antwortet auf tief franziskanische Weise auf die alte Frage, warum Gott Mensch geworden ist. Das in Betlehem geborene Kind bringt Menschen aller Schichten - Arbeiter und Könige, einheimische Hirten (noch im Hintergrund) und Fremde aus dem Morgenland, Tiere und Engel auf Augenhöhe! staunend und beglückt, um mit Licht aus der Höhe Wege des Friedens zu gehen!

Nach der dominanten Theologie des Mittelalters tritt Gott persönlich in die Welt ein, weil sie in ihrer Verirrung einen Pannenhelfer, Krisenmanager und Trouble shooter braucht. Der Franziskanertheologe Duns Scotus sieht Gott aus reiner Liebe in die Schöpfung kommen: Liebe will auf Augenhöhe begegnen, sie sucht die Nähe von Du zu Du. Der Schöpfer will mit seinem Sohn seinen Geschöpfen in die Augen schauen und das Brot mit uns Menschen teilen.

Der Sohn Gottes kommt nicht in die Welt wie ein Nothelfer oder Rettungsarzt in einer Katastrophe, sondern als Bruder, der mit uns leben will und der sich in einem Neuen Bund engagiert: Der Gottessohn und wir Menschen gemeinsam auf menschliche Art verbunden, um unsere Welt friedlicher, gerechter und menschlicher zu gestalten. Klara von Assisi schaut in den Spiegel von Jesu Person und Leben, um seinen Fußspuren zu folgen und seine leidenschaftliche Liebe zu unserer Welt zu teilen! Weihnachten ist für franziskanisch Gesinnte das Fest der Liebe Gottes, der die Nähe von uns Menschen sucht und der sich danach sehnt, uns in die Augen zu schauen!

Die deutsche Übersetzung des Papstschreibens von Greccio: Apostolisches Schreiben "Admirabile signum"

 

Leiser Nachtrag historischer Art:

So sehr es Franz von Assisi ehrt, dass der jetzige Papst extra nach Greccio reist, um da ein Apostolisches Schreiben zu unterzeichnen: Franziskus von Rom folgt mit der Aussage, dass Greccio der "Ort der ersten Krippendarstellung" sei, etwas gewagt einer Volksmeinung, die selbst moderne Historiker vorschnell vertreten. In der Heiligen Nacht 1223 hat der Poverello in Greccio vor einer leeren Futterkrippe gefeiert, die einzig von einem lebendigen Ochsen und einem Esel flankiert war: ohne KInd, ohne Mutter, ohne Josef, Hirten und Engel! Damit hat Franziskus weder die Krippe noch das Krippenspiel erfunden (Geistliche Spielen in Kirchen gab es schon länger). Franziskus hat das Weihnachtsgeschehen mit einer Installation lebendig gemacht und mit einer Eucharistiefeier über den Tieren und der leeren Krippe verbunden. Die Forschung nennt das "presepe eucaristico" - eucharistische Krippe: Gott hat sich durch seinen Sohn in Betlehem als Kind sichtbar zum Gefährten der Menschen gemacht und tut es in der Folge von Ostern bis heute als Auferstandener - sichtbar im Brot des Altars.