Ranftweg

Teamzeit bei den Klarissen in Ronchamp

Ein Rückblick auf Teamtage jenseits der Grenzen: in Ronchamp, wo wir die erste Klausurzeit nach der Sommerpause verbringen. Corbusiers berühmte Kapelle „Notre Dame du Haut“ rechts in der Skizze geniesst Weltruhm. Recht jung ist das Klarissenkloster links, vom italienischen Stararchitekten Renzo Piano in denselben Hügel gebaut und 2011 bezogen. Die Klaraschwestern, die ihr Kloster in Besançon aufgaben und hierher zogen, sind in vielerlei Beziehung eine Ermutigung.

Sieben der elf hier lebenden Schwestern haben 2009 ihr altes Kloster in Besançon aufgegeben: Es war als Gebäude zu gross, in der Substanz zu alt, in den Zimmern zu eng, in der Stadt inzwischen zu anonym, um eine gute Zukunft zu ermöglichen. In den nahen Vogesenausläufern dagegen lag die Corbusier-Kapelle als Mekka der Architekturfreunde: 1951-55 erbaut und damals prophetisch, drohte sie ohne Präsenz einer religiösen Gemeinschaft, ohne Liturgie und spirituelle Quellen zu einem blossen Museum zu werden.

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Was uns an dieser Gemeinschaft und ihrer Antwort auf die Zeichen der Zeit zutiefst beeindruckt:

Sie zeigt eine Alternative zum Rückzug,in dem sich die meisten religiösen Gemeinschaften heute befinden: die Option heisst Aufbruch! Es ist eine Gemeinschaft mit einem reifen Durchschnittsalter, die diesen Aufbruch wagt: eine starke Botschaft! Niemand ist zu alt, um entschlossen Neues wagen zu können! Dabei verlässt diese alte Gemeinschaft alte Geleise und lässt sich auf eine neue Aufgabe ein. Eine Schwester sagte uns, der Wechsel sei kein kleiner Schritt, sondern ein grosser Sprung gewesen: erstaunlich für eine kontemplative Gemeinschaft von Schwestern, die sich bei der Profess auf stabilitas locieingestellt hatten! Sie liessen die «kommt her»-Seelsorge am traditionellen Lebensort hinter sich und entschlossen sich zur Gegenbewegung: «wir gehen hin», an einen Ort, wo heutige Menschen auf moderne Art religiös suchen. Das bedeutete und heisst bis heute: immer wieder Aufbrechen ins Ungewisse, Unbekannte, ohne Sicherheiten - besonders finanzielle - aber mit viel Gottvertrauen. Dabei gewannen die Klaraschwestern mit ihrem eigenen Volleinsatz etwas vom Profil von Klaras San Damiano zurück: Sie setzen sich an einem stillen Ort Menschen aus, oft ganzen Scharen, und machen sich ansprechbar für unterschiedlichste Besucherinnen und Besucher. 

IMG 1727 1Die Gemeinschaft lebt unscheinbar und bescheiden: die Schwestern beten schlicht. Bei der täglichen Liturgie der vielbesuchten Corbusier-Kapelle halten sie die Spannung aus, dass die berühmte Kirche von vielen wie ein Museum besucht wird, auch während der Eucharistiefeier in der offenen Turmkapelle: Glaubensgemeinschaft in einer Nische! Ein Spiegel für die Kirche von morgen?

Der Wechsel hierher liess die Gemeinschaft fragen, was zum Kern ihrer Berufung gehört und was aufgebbar ist. Sie unterschied zwischen wertvollem Erbe und unnötigem Ballast. Alte Schwestern legen – ähnlich wie Franziskus von Rom – eine erstaunliche Freiheit des Alters an den Tag!

Der Übergang machte die Schwestern zu Pilgerinnen: Das Projekt war um zwei Jahre verzögert, das alte Daheim musste verlassen werden bevor das neue fertiggestellt war. So bezogen die Schwestern kurzerhand die Pilgerherberge neben der Kirche, die Corbusier damals für die Arbeiter gebaut hatte. Etagenbetten und nur das allernötigste an Raum! Die Schwestern sagen, sie lernten neu Bescheidenheit, Demut, Einfachheit - Pilgersein eben, wie es in allen franziskanischen Ordenssatzungen zu finden ist und wie es auch zahlreiche Weltleute im Alter als notwendigen Schritt erkennen.

Apropos Alterslösungen: In Teilen der Schweiz fusionieren Schwesterngemeinschaften aus ökonomischen Gründen, um Altersversorgung und Pflege betagter Schwestern sicherzustellen. In Ronchamp leben 7 Schwestern aus Besançon und 4 aus anderen Gemeinschaften zusammen: Fusion und Zusammenziehen, um eine neue Sendung zu erfüllen! Ronchamp Tauteam Soeurs1Dabei hat jede Schwester für sich selbst entschieden, ob sie es wagen will. Nicht alle waren vom Projekt überzeugt geschweige denn begeistert und mehr als eine hat am Anfang für sich "nein" dazu gesagt. Am Ende aber sind sie doch alle zusammen ins Neuland aufgebrochen und wenn sie heute von ihrem Abenteuer erzählen, sprechen sie ausnahmslos von ganz persönlichen Oster-Erfahrungen...