Ranftweg

Spiegel - franziskanisches Symbol

GregBarnes Spiegel MirriorSpiegel - "Mirror" nennt der Künstler Greg Barnes dieses Werk. Wir alle schauen jeden Tag in den Spiegel: die einen nur morgens und abends, andere häufiger. "Spiegeln" ist eine zentrale Kunst in der psychologischen und spirituellen Begleitarbeit: einem Menschen spiegeln, was er fühlt, erlebt und denkt, ersorgt und ersehnt. Der "Spiegel" begegnet in den franziskanischen Quellen auch als mystische Metapher: Klara will sich täglich in den Spiegel des Lebens Jesu vertiefen - und die Person Jesu Christi selbst als Spiegel zu sich sprechen lassen. Der Sonnengesang erkennt, dass jedes Geschöpf Qualitäten des Schöpfers spiegelt. Das frühfranziskanische Werk "Spiegel der Vollkommenheit" singt ein Lied auf die Vielfalt der Brüder, in deren Leben sich zahlreiche Gaben des Heiligen Geistes spiegeln.

Der neue Jahrgang der TAUZEIT - unsere Zeitschrift mit "Inspiration für franziskanisch Interessierte" - vertieft dieses Jahr in vier Heften die Spiegelsymbolik franziskanisch.

Die März-Ausgabe setzt lebenspraktisch und psychologisch an. Worin spiegle ich mich? und was spiegeln moderne Menschen ihrer Mitwelt von sich selbst: im Zeitalter von Facebook und Instagram? Was spiegeln Rituale und was eine Brückenstadt? Was bedeutet der Spiegel in Fresken von San Francesco und  in Klaras Rat an die Schwestern, selber Spiegel des Lichtes zu sein? 

Die Juni-Ausgabe fragt sich passend in die Jahreszeit, in der wir am meisten Zeit im Freien verbringen, was die Schöpfung vom Schöpfer spiegelt und wie wir Menschen als Geschöpfe überzeugend zu seinen Spiegel werden.

Das September-Heft knüpft an der Fülle an, die sich in der Erntezeit zeigt. In einer tiefen Einheit und einer weiten Vielfalt lässt sich das Göttliche erahnen: Keine Religion hat die ganze Weisheit erfasst und nur als gemeinsam Pilgernde kommen sie Gottes Wahrheit näher. Nur im Zusammenspiel Glaubender erhält eine Gemeinde oder eine Gemeinschaft alle Gaben des Geistes. In 99 Namen Gottes und nicht in einem einzigen wird Gott als Quelle der Lebensfülle erahnbar.

Die Dezember-Ausgabe knüpft an Klaras zweiter Spiegelmetapher an: Jesus macht sich in seinem irdischen Leben und als Bruder auf Augenhöhe zum Spiegel: für den ewigen Gott auf Erden - und für Menschen, die Leben in Fülle suchen.

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Bild: Unser Bruder diesen Februar in Bilbao: nach einem fünfstündigen Gang durchs moderne Guggenheim-Museum in der baskischen Hafenstadt tritt der Besucher in einen Spiegelsaal: Die Betrachterin wird da durch eine imposante Projektion Teil der Geschichte der Stadt, tritt gleichsam selbst in die Galerie der Kunstwerke und taucht am Ende ins Zauberspiel fliessender Symbole.

In der fischuppenartigen Titanhülle des Museums und den Wasserteichen spiegeln sich Sonne und Himmel, Stadt und Menschen wieder:

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