Ranftweg

Wo der Himmel die Erde berührt

Monteluco2018 Hain24Tage auf dem Heiligen Berg Umbriens

Nach den franziskanischen Sommer-Exerzitien im Tessiner Kloster Bigorio vereinte auch die stille Herbstwoche im Spoletotal einen bunten Kreis zu Intensivtagen. Seit 2500 Jahren gilt der Steineichenwald von Monteluco hoch über Spoleto als Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren. Nach den alten Umbrern stiegen die Römer auf den heiligen Berg, in christlicher Zeit liessen sich Einsiedler nieder und ab 1218 zog sich Franziskus bisweilen hierher zurück. Gern geben wir hier ein paar Infos und Tipps weiter.

Vor dem Aufstieg auf den Berg kehrte Bruder Niklaus, von Assisi kommend, in der «Osteria del Matto» an Spoletos Marktplatz ein. Filippo, ihr Besitzer, spielte denn auch erneut den Narren (matto): geistvoll, neckisch, seine Gäste aller Art liebevoll herausfordernd. Bestellen kann man nichts, erlebt jedoch in vielen kleinen Gängen die Vielfalt und kulinarischen Köstlichkeiten der umbrischen Küche. – Das Klösterchen San Francesco auf Monteluco bildet die jüngsten Franziskaner aus: die Brüder Postulanten, bevor sie dann als Novizen nach San Damiano wechseln: ein überaus vitaler Ort! Von Spoleto führt ein einstündiger Pilgerweg von der Aquäduktbrücke auf den Monteluco. Die Brücke selbst ist nach zwei Jugendsuiziden bis auf weiteres für Fussgänger gesperrt. Man gelangt auf Weg 3 in kleinem Bogen auf den Pilgerweg 1.

Der heilige Hain (Monteluco) ist ein Kraftort Umbriens, der Menschen jeder Kultur und Religion in den Bann zieht. Wir haben den Steineichenwald mit seinen Felsterrassen und Panoramablicken zu jeder Tageszeit genossen. Die Aufnahme entstand im ersten Morgenlicht, als leise Rauchschwaden eines Nachbars durch die Bäume zogen.

Jahrhundertelang haben Einsiedler auf diesem Berg gelebt. Wahrscheinlich entstand auch das San Damiano-Kreuz in einer dieser Eremitagen. Die Franziskaner sind die einzige Gemeinschaft, die noch in einem der alten Eremi lebt. Zur Zeit des Franziskus sah dieses in etwa so aus:

Seit dreissig Jahren lebt eine echte Einsiedlerin in der Bergeinsamkeit, zwei Stunden oberhalb der Franziskaner, im Eremo degli Angeli. Die Begegnung mit der 93-jährigen beeindruckt zutiefst. Täglich ziehen Wölfe an ihrer Eremitage vorbei. Menschen schaffen es nur sporadisch zu ihr. Über 800 Psalmgebete hat die quicklebendige weise Seniorin in den letzten Jahren gedichtet, von denen hier eines wiedergeben sei. «Ich liebe, was Gott liebt», heisst der Titel übersetzt:

Amo quello che Dio ama

Amo l’acqua / che contempla il cielo
e quella che scorre / a dissetare la vita.
Amo l’estasi / ed il servizio.
Amo l’aurora / che sveglia il dì.
Amo il tramonto / che chiama la notte.

Amo il lavoro / ed il riposo.
Amo il sole / che attiva la terra.
Amo la pioggia / che la irrora.
Amo il bigio / ed il sereno.
Amo il freddo / che rassoda la tempra.

Amo il caldo / che matura i frutti.
Amo tutte le stagioni / che rincorrono le età.
Amo l’impegno / ed il sollievo.
Amo la solitudine / e la compagnia.
Amo tutte le alternanze / che si scambiano la pace.

Amo la festa / amo la feria,
amo il canto / che rallegra il cuore
e la musica che la accompagna.
Amo la danza / e la gravità.
Amo i giorni lieti / e quelli tristi.

Amo tutto quello / che Dio ama.
Al Signore dei secoli, / alleluia!

Blick von Monteluco nach Assisi, das als weisser Streifen am Berghang in der Bildmitte sichtbar ist:

Monteluco Spoletotal Panoramablick

So dürfte die Eremitage ausgesehen haben, welche Franziskus mit seinen Brüdern vor genau 800 Jahren bezog 

Monteluco Eremo Skizze1218

 

Und so sieht das Klösterchen heute, 800 Jahre nach 1218 aus:

 

Monteluco Klösterchen Frate

 

 

Nebelmeer über der Stadt Spoleto am Fuss des Berges und der weiten Valle Umbra

 Monteluco2018 HainNebelmeer1

Sonnenuntergang über den Martanibergen

 MontelucoEremo 5 sunset1

Wanderwege von Spoleto auf Monteluco - auch für einen Tagesausflug von Assisi aus empfehlenswert

 Spoleto Monteluco WegKarte