Ranftweg

Von Fülle, Leere und Freiräumen

Bigoriotagung2018 Mi Essen2Von Fülle, Leere und Freiräumen - ein Kleeblatt für verschiedene Lebenswelten

Die franziskanische Westschweiz nennt ihren Begegnungsort in Saint-Maurice „Souffle d’Assise“. Weit mehr als einen Hauch Assisi vermittelt die jährliche Sommertagung im Bergkloster Bigorio. Das älteste Kapuzinerkloster der Schweiz gleicht Orten in Umbrien, die Franz von Assisi lieb waren: mit Panoramablick in die Welt, Terrassengärten, einladender Stille und brüderlicher Gastfreundschaft.

Die INFAG-Tagung befasste sich im Juni mit dem spannungsvollen Thema „Leben in Fülle bei wachsendem Mangel“. Lebensfülle ist von Jesus allen zugesandt, die ihm folgen. Zugleich erfahren Landeskirchen und Lebensgemeinschaften spürbar Mangel. Und nicht nur sie: Wer das Privileg hat in Westeuropa zu leben, profitiert meist von einer Überfülle an vielem und einer hohen Lebensqualität. Dennoch ist Mangel spürbar: Mangel an Zeit, mangelnder sozialer Zusammenhalt, leere Kirchen und halbleere Klöster. Dazu kontrastieren Erfahrungen, die franziskanische Kreise beflügeln: tragende Beziehungen, erfüllte Stille, gelebte Verbundenheit, sorgloses Alter, hoffnungsvolle Engagements in Kirche und Gesellschaft.

Ein bunter Kreis von zwölf Schwestern und Brüdern aus Klostergemeinschaften und zwölf Singles und Familienmenschen hat sich Ende Juni konkreter gefragt, wie sie Mangel erleben und wo sie in ihrem Alltag Fülle erfahrbar ist. Wo ist Loslassen angesagt, um neue Fülle zu finden? Wie lässt sich Ballast vom Wesentlichen unterscheiden - im persönlichen Leben wie auch in Gemeinschaften? Lebensfülle im jesuanischen Sinn schöpft aus vielfältigen Quellen. Welche sind mir vertraut und welche Tiefenquellen lassen sich in der modernen Welt neu entdecken?

Ein vierblättriges Kleeblatt hat sich als interessanter Leseschlüssel erwiesen, der Leere von Freiraum unterscheidet und Fülle von Überfülle – und diese vier Erfahrungen im Alltag zugleich oft miteinander verknüpft zeigt. Mangel führt oft in eine besorgte und beklemmende Leere, eine offene Leere dagegen bietet Freiräume an, die sich nutzen lassen. Wie kommen wir vom einen zum anderen? Martin Werlens Buch «zu spät» spricht ein ermutigendes Beispiel dafür in Kirchenwelten! Lebensfülle hat mit Erfüllung zu tun, Überfülle dagegen engt ein: Was gestern gut war und heute Wege verbaut, ist als Ballast zu sehen und in guter Weise zu ent-sorgen, um neue Freiräume zu eröffnen. Der Leseschlüssel des Kleeblattes lässt sich auf verschiedene Lebenswelten beziehen!

  • Bigoriotagung2018-Di-Abend3
  • Bigoriotagung2018-Di-Abend5
  • Bigoriotagung2018-Di-Nm2
  • Bigoriotagung2018-Do-EF2
  • Bigoriotagung2018-Mi-Abend2
  • Bigoriotagung2018-Mi-Essen2
  • Bigoriotagung2018-Mi-Kleeblatt1