Pilgerweg für Mutige - von Siena nach Assisi
Der Frühherbst hat gleich zwei Gruppen in die klassisch gewordene "Pilgerwoche für Mutige" aufbrechen lassen. Jedes Jahr führen die Wege des Franz von Assisi und seiner Brüder aus einer Himmelsrichtung nach Assisi. Eine etwas kleinere und jüngere Gruppe machte sich in Siena auf, um in sechs Tagen in der Stadt des Poverello einzutreffen. Das Bild zeigt Nicole, mit 16 die jüngste Pilgerin, und Natascha, die erstmals als Begleiterin dabei war, in der Mittagsrast bei San Giovanni d'Asso in der Südtoskana (während Carmen im Hintergrund die kurze Siesta zu einem Powernap nutzt):
Niklaus Kuster, der die zwanzigste Pilgerwoche für Mutige begleitet und mit dieser Route zugleich Neuland betreten hat, schreibt zum Weg von Siena nach Assisi:
Pilgern für Mutige erforderte diesmal auch vom Begleitduo speziellen Mut: Wussten die Mitpilgernden am Morgen nicht, wo wir am Abend lagern werden, hatten die Begleitenden erstmals auch keine Ahnung, wo die Gruppe am Abend wird lagern können... In der touristisch orientierten Toskana brauchte dabei der Umstand besonderen Mut, kein Geld dabei zu haben, um sich in einem Gasthaus, einer Klosterherberge oder einem Agriturismo komfortable Schlafplätze zu "kaufen".
Der Weg war neu, das Begleitteam ebenfalls, neu spannte sich das Altersspektrum von 16 bis 61 und neu war auch der hohe Frauenanteil (75%). Anders als in Umbrien sind die Klöster in der Toskana dünn gesät, Pfarrhäuser in kleinen Dörfern unbesetzt und die Bergwälder rar, in denen wir sonst unter Sternenhimmel um Lagerfeuer nächtigten. Tatsächlich haben wir den Weg, den Franziskus nach einer umbrischen Volkserzählung mit Bruder Leo unter die Füsse und dabei seine "Klaravision im Brunnen" erlebte, erstmals ohne jedes Lagerfeuer zurückgelegt. Und doch reihten sich Highlights an Highlights!
Für den ersten Hochgenuss und die erste Faszination sorgte der Starttag in Siena: eine geschichtliche, kulturelle und spirituelle Perle! Zu letzterem trugen Franziskus-Geschichten, die in Siena spielen, Caterina als mutige Prophetin und nicht schreibkundige Kirchenlehrerin wie auch Bernardin von Siena bei, in dessen "Wiege der Observanz" wir die erste Nacht verbrachten: im Innenhof des Kreuzgangs unter Palmen und in der Obhut mexikanischer Franziskaner.

Bild: Aufbruch am Sonntagmorgen vom Convento dell'Osservanza - im Hintergrund die Silhouette von Siena.
Asphaltstrecken wie diese Startkilometer waren erstaunlich selten!
Die Südtoskana wartete in den folgenden Tagen mit traumhaften Kretenwanderungen auf. Sie führten auf einem Teil der Francigena durchs Arbiatal, hinauf ins spätmittelalterliche benediktinische Reformzentrum Monte Oliveto Maggiore, durchs Asso-Tal in die Weinberge zwischen Pienza und Montepulciano, hinab ins Becken des Trasimenischen Sees und - nach einer Zugfahrt an Perugia vorbei - zur Schlussetappe durchs Spoletotal.
Was die Pilgernden ebenso berührte wie begeisterte:
- Lauras und Lucianos Gastfreundschaft in einem Agriturismo, der wie eine grüne Oase im hügeligen Ackerland des Arbia liegt! Sie scheuten sich nicht, neben den "zahlenden Gästen" in den rustikalen Zimmern uns Pilgernde im Garten lagern zu lassen und da zu verwöhnen: mit köstlichem Wein zum Essen, das Natascha im Pfaditopf bereitete, mit einem Nachtkaffee unter dem vollen Mond auf der Terrasse und - nach erlebter Mondfinsternis am Sternenhimmel - mit einer Frühstücksüberraschung am Morgen! Und die grösste Freude der Gastgeber: dass wir ihre Anliegen in unserem Pilgerband mit nach Assisi trugen!
- Tage unterwegs durch eine reizvolle Natur, die uns mit schönsten Wegen beglückte und die immer wieder mit kleinen Dörfern aufwartet, in denen sich feinster Wein der Region (Chianti, Montepulciano) günstig kaufen und herzhaft geniessen lässt.
- Unkomplizierte Aufnahme, sei es im Kreuzgang eines Franziskanerklosters, im Saal der Klosterherberge bei den Olivetanern, in den Olivenhainen eines ehemaligen Benediktinerklosters oder im Jugendzentrum einer Pfarrei am Trasimenersee.
- Über die landschaftlichen Schönheiten und die überraschende Gastfreundschaft hinaus trug auch das herzliche Zusammenspiel einander zunächst unbekannter Gefährtinnen und Gefährten bei, unter denen die beiden Jugendlichen Nicole und Andrin lebenslustig und verspielt, bewährte Mütter mit lebensweiser Heiterkeit, Urs mit seinen versierten Weinkenntnissen und Natascha mit ihren kulinarischen Überraschungen je eigene Akzente setzten.
Bild: nach erfolgreicher Bach-Überquerung ohne Brücke und ohne Schuhe ist der nächste Hügelzug der Toskana erklommen! Einige wenige "weglose Wegstrecken" hatten ihre eigenen Reize :-)

Meist ging es auf stillen Wanderwegen mit Panoramablicken über Kreten.

In Assisi verbanden sich die beiden Gruppen, um die Stadt von Franz und Klara auf Insiderwegen zu erkunden - und um im beginnenden Festrummel zum Franziskustag rechtzeitig wieder in den Alltag zurückzukehren.
Bild: die eine der Gruppen bei der Schlussfeier in San Giacomo di Muro Rupto


