Leben leuchten lassen

Drei neue kleine und feine Bücher
Die Sonne verzaubert eine Landschaft, die nachts schwarz in grau erscheint, und sie in tausend Farben leuchten. Die vielen Farben sind auch vor dem Morgengrauen schon da, doch werden sie erst im Licht von oben sichtbar.
Dasselbe lässt sich von der Wirkung sagen, die der Glaube in einen grauen Alltag bringt: im Leben des Franziskus, der als junger Mann religiös gleichgültig war, im Leben Klaras, die sich spirituell schon in jungen Jahren wach erweist, und in der Welt moderner Menschen. "Leben in Fülle schon hier auf Erden" ist uns verheissen: Leben in allen Farben!
Martina Kreidler-Kos hat als Klaraforscherin und Familienfrau, Niklaus Kuster als Franziskusforscher und Franziskaner und Sr. Ancilla Röttger als Klarisse und Äbtissin gemeinsam ein poetisches Büchlein geschrieben: Es zeichnet die Glaubenswege der beiden grossen Heiligen Assisis nach und übersetzt dabei einige ihrer Gebete und weitere Perlen aus ihren Schriften in die Sprache heutiger Menschen. Die Autorinnen und der Autor lassen sich zudem von Kernpassagen aus Klaras und Franziskus' Schriften zu poetisch dichten Meditationen inspirieren. Dabei ermutigen Erfahrungen des Franziskus auch für Zeiten, in denen "der Himmel schweigt".
Das mit stimmungsvollen Assisi-Fotos von Br. Bruno Fäh illustrierte Büchlein ist eine moderne Gebetsschule und bietet dichte Weisheitstexte eines Gottesfreundes und aus der Frauenkirche von San Damiano zur eigenen Meditation oder für gemeinsames Beten.
Zeitgleich sind Anfang März zwei weitere Bändchen der neuen Echter-Reihe "Franziskanische Akzente" erschienen.
Martina Kreidler-Kos widmet ihren Band (Franziskanische Akzente 5) Klara von Assisi und ihren Schwestern. Unter dem Titel "Lebensmutig" zeichnet die Osnabrücker Diözesanreferentin für Familienpastoral und Frauenbildung den inneren Weg einer jungen Frau nach, die einen "weiblichen Aufbruch in der Kirche wagt" und dabei "aufs Ganze geht".
Die moderne Klaraforscherin führt mit Klara ein erfrischendes Interview und bringt damalige Erfahrungen mutiger Frauen in einer von Männern beherrschten Gesellschaft und Kirche immer wieder ins Gespräch mit heute.
"Lebensmut zeigen" (Teil 1) reicht dabei nicht aus. Lebensmut ist auch zu "stärken" (Teil 2) und zu "beheimaten" (Teil 3). Klara richtet sich dazu mit ihren Schwestern vor den Stadttoren Assisis bei der kleinen Landkirche San Damiano ein, wo sie in grosser Freiheit zu "Mitarbeiterinnen Gottes" werden, sich erfolgreich gegen amtskirchliche Vereinnahmung wehren und ihren eigenen "Kirchentraum" verwirklichen. Auch hier schlägt die engagierte Theologin als moderne Frau Brücken in die Gegenwart und unsere aktuelle Kirchensituation. "Lebensmut schöpfen" (Teil 4) steht über dem abschliessenden Kapitel: auch eine grosse Berufung kennt Tiefpunkte und Gefährdungen. Freundschaft und schwesterliches Miteinander lassen Klara ihren Glaubensweg durch Hoch und Tief bis ans lichtvolle Ziel gehen.

Martina Kreidlers Weggefährte in der Klara- und Franziskusforschung legt neben das Bändchen über die Schwester ein Büchlein über den Bruder:
Freiheit und Geschwisterlichkeit zeichnen die neuartige Kirchenerfahrung und das Kirchenbild des Poverello aus. Die Spurensuche beginnt mit Einblicken, denen Durchblicke und Ausblicke folgen.
"Späte Gottsuche in der frühen Moderne" steht über dem ersten Teil, der Franziskus' eigenen Weg mit der Kirche beleuchtet: erst gleichgültig, dann suchend, schliesslich in einer hierarchisch-monastischen Kirche ganz neue Wege wagend, indem er das Leben der Apostel in Galiläa mit neuer Frische lebt.
Um die "Franziskanische Basiskirche" geht es im zweiten Teil: eine geschwisterliche Bewegung, die den Fussspuren Jesu folgend Kirche von unten erneuert, als "Amateure" im besten Sinne des Wortes (amator - amatrix = Liebhaber), mit Wort und Tat, lebenspraktisch und als Laien mit der Predigterlaubnis urbi et orbi - in Stadt und Erdkreis.
Der dritte Teil widmet sich "Franziskus von Rom", dem ersten lateinamerikanischen Papst, der eine "Kirchenreform mit vielen" in Gang setzt: nicht herrschaftlich von oben, sondern basisgestützt, kollegial, synodal - geschwisterlich eben.
Zu den vorausgegangenen Bändchen Franziskanische Akzente 1-4

