Assisi für junge Familien mit Kindern

"Bibe viator" steht auf der steinernen Trinkschale, die an Assisis Hauptplatz frisches Wasser sprudeln lässt: "trinke, der oder die du des Weges kommst!" Kaum hatten die Kinder unserer Gruppe den Knopf am Fuss des schlanken Brunnens entdeckt, wurde dieser zur Attraktion. Und selten blieben dabei die Gesichter trocken, wenn ein Schlitzohr die Fontäne beim Trinken auf volle Kraft drückte.
Vieles sahen die Jüngsten mit ganz eigenen Augen in der Stadt von Franz und Klara. Die Woche mit jungen Familien aus Olten hat einen munteren Auftakt zur diesjährigen Umbriensaison gesetzt.
Am Ostermontagabend kamen wir in eine Stadt, die nach dem Ansturm des italienischen Festtagstourismus wieder aufatmete. Tags darauf trieb uns beim Entdecken von Ober- und Unterstadt ein eiskalter Wind Schneeflocken ins Gesicht. Der Ostermittwoch zauberte wieder Frühlingsfarben in die sonnige Landschaft, als wir dem jungen Franz vom Stadtzentrum über San Masseo und durch die Ebene nach San Damiano folgten.
Der Donnerstag begeisterte unterwegs ins Rietital und berührte in Greccio mit Franziskus' Krippenhöhle, bevor wir in Spoleto die Hauptstadt der Valle umbra genossen. Den vielen Sternen in den Krippen aus aller Welt fügten unsere jüngsten Ladies nach dem Picnic zu Füssen des Felsklosters einen lebendigen Stern in der blühenden Frühlingswiese hinzu. Von den vielen kreativen Formen, die er annahm, sei hier die noch ruhige Ausgangsgestalt festhalten:

Am Freitag waren kurze Entdeckungswege durch die Basilica di San Francesco (vormittags) und durch die Basilica di Santa Chiara (nachmittags) vorgesehen, mit viel Freiraum und Freilauf für die Kinder dazwischen. Doch welch Überraschung: beide Kirchen entpuppten sich als überaus interessante Bilderbücher für Klein und Gross! Aus San Francesco kamen wir erst nach zwei Stunden wieder heraus, und Niklaus Kuster hatte auch da noch lange nicht alle Fragen beantwortet, welche die ausdrucksstarken Fresken selbst bei den Kleinsten geweckt hatten! Vor dem Mittagessen unter der Frühlingssonne wollten dann sämtliche Kinder den Bruder - "als Räuber" fest am Strick gehalten und über die Piazza geführt - zur Polizei begleiten. Da mussten wir denn tatsächlich hin, um auf dem Commando della Polizia Municipale eine harmlose Busse zu begleichen. Unsere gastgebenden Schwestern hatten uns zum Ausladen des Gepäcks in eine auch für Zwanzigplätzer verbotene Zone gelockt :-)
Umso köstlicher schmeckte nach der vergnüglichen Begegnung mit einer charmanten Polizistin im Stadthaus das Mittagessen auf der Terrasse des Albergo La Rocca. Dieses hatte den Ansturm von über 100 Schweizer Firmlingen glücklich überstanden. Als wir dort ankamen, wurden gerade die Spuren eines botellón der letzten Nacht entsorgt: 5 grosse Abfallsäcke mit Bierflaschen, und der Chefarzt des Spitals von Gubbio, der in derselben Gasse wohnt, musste sein Auto mit demoliertem Türgriff von der Polizei begutachten lassen. Unsere Kinder staunten über die Phantasielosigkeit von Erwachsenwerdenden - und genossen das vorzügliche Mittagessen auf der Sonnenterrasse, mit witziger Bedienung!

Nachmittags folgte ein Besuch in der Grabeskirche der heiligen Klara, wo Sr. Chiara Fedele als junge Aussenschwester beeindruckte und die Lebensgeschichte Klaras auf dem Tafelbild erneut helles Interesse und zahllose Fragen weckte.
Eine Woche, die für alle, Eltern wie Kinder, Neuland bot - landschaftlich, geschichtlich, kulturell und spirituell - endete viel zu früh! Doch sie eröffnete neue Freundschaften - unter Kindern, die sich erstmals das Zimmer teilten, mit gastgebenden Schwestern, unter denen Cherubina als Engel mit den Füssen auf Erden herausragte, und auch mit Franz und Klara von Assisi, deren Spuren Jung und Reifer, Klein und Gross weiter nachspüren wollen.
Impression aus der abschliessenden Segensfeier in Santo Stefano:


