Ranftweg

Schritte mit Franz und Klara in Fribourg

JosuaBösch-Ikonen-Damiano Metall

 

Ikonen sind Fenster, die Himmel und Erde verbinden. Wie kraftvoll mittelalterliche und moderne Ikonen wirken können, die mit mystischem Blick und feiner Hand in der Stille geschaffen wurden, hat ein Abendzyklus in Fribourg gezeigt. Die Franziskanerkonventualen gestalten da ihr bald 800-jähriges Kloster um. Es beherbergt neu auch die katholische Seelsorge der deutschsprachigen Stadt. Ein Team um Carola Marsch und Pfarrer Winfried Bächler hat im November zu vier Impulsabenden geladen, die sich Inspiration durch "das Leben von Franz und Klara von Assisi" und ihre Orden erhofften. Die Abende fanden erfreulichen Anklang: sie berührten, bewegten und ermutigten zu Freiheit und Geschwisterlichkeit in der Kirche.

 

Bevor Franziskus durch die berühmte Ikone den "armen Christus in San Damiano" entdeckt, öffnen ihm Erschütterungen im eigenen Leben einen neuen Blick in die Welt: Krieg, Kerker, eine Krankheit führen in eine innere Unruhe, aus der er die Stille in San Masseo entdeckt und sich in die sozialen Schattenwelten Assisis wagt. Ein erster Abend hat sich am 3. November der Erfahrung des jungen Kaufmanns mit Aussätzigen gewidmet. Bruder Adrian Müller, promovierter Medienpädagoge aus dem Kloster Rapperswil, hat über dreissig Interessierte mit modernen Filmausschnitten auf die Spur dieser bahnbrechenden Begegnungen geführt. 

 

Was hat den Kleinbürger Franziskus dann schrittweise zum Bruder jedes Menschen gemacht? Und wie hat Klara das Evangelium in einer schwesterlichen Frauenkirche gelebt? Br. Niklaus Kuster führte die biografische Spuren am 10. November weiter und zeigte auf, wie radikal Franziskus lange vor der Französischen Revolution "Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit" in seiner Kirche zu leben begann. Der zweite Teil des Abends vermittelte Einblicke in Klaras Welt und eine faszinierende weibliche Form, Christusnachfolge in Freundschaft zu leben.

 

Den dritten und vierten Abend gestaltete Sr. Imelda Steinegger, die dazu ebenfalls reiche Impulse aus der Tauteamarbeit einbrachte. Sie erschloss 17. November auf meditative Art die feinsinnige Botschaft des Ikonenkreuzes von San Damiano, das Franziskus auf die Fussspuren Jesu führte und die Mitte von Klaras Gemeinschaft wurde.

Von der mittelalterlichen Ikone blendete der vierte Abend am 24. November "auferstehungsleicht" zu den modernen Metallikonen des Zürcher Mystikers Josua Bösch. Ein Sabbat-Aufenthalt in San Damiano hatte den Goldschmied und reformierten Pfarrer in den Siebzigerjahren zu einer Ikonenkunst inspiriert, die zumächst der sakralen "Bildlosigkeit" der evangelischen Tradition folgend Christus durch Freiräume gegenwärtig erscheinen lässt. Aus den ersten schlicht-kargen Ikonen entwickelt sich ein künstlerischer Weg, der biblische Urbilder und mystische Erfahrungen immer bewegender und reicher ausdrückt. Sr. Imelda hat diesen ebenso evangelischen wie franziskanischen Weg am vierten Abend nachgezeichnet und in eine ökumenische Feier münden lassen.

 

Franziskanische Zukunft erfordert bauliche Investitionen - und kirchliche Zukunft nährt sich ebenso von spirituellen Impulsen, wie sie ein engagiertes Team für "katholisch Deutschfreiburg" künftig vom Franziskanerkloster aus anbietet - im Zusammenspiel mit den Brüdern vor Ort.

 

Fribourg-Cordeliers-HausGirard7

 

Bild: ein musikalisches Intermezzo am Festakt zur der Einweihung des Hauses Père Girard am Michaelstag, an dem der Generalminister der Konventualen, der Ortsbischof Charles Morerod und 140 Besucher teilnahmen.