Bildungstag des Schweizer Franziskanien
Franziskanischer Bildungstag zum Thema Friede – ein frommer Wunsch?
Was meine ich eigentlich, wenn ich Frieden wünsche? Zufriedenheit? Versöhnung? Behaglichkeit?
Biblisch ist Friede umfassend gemeint: Befreiung von jedem Unheil und Unglück, Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit und Ruhe. „Schalom“ beinhaltet Grundvoraussetzungen für Friede, die nebst äusseren Umständen auch meine innere Befindlichkeit betreffen und von da Kreise ziehen: Friede in mir, in meinem Haus, meinem Land, der Welt. Der Luzerner Neutestamentler Prof. Walter Kirchschläger hat am Vormittag die reichen Facetten der biblischen Friedenszusage und -sendung aufgezeigt. Wie zerrissen Assisi in den Jahren von 1174 bis 1210 war und welche Friedensvisionen bereits während der Jugend des Franziskus in der Stadt Kreise zogen, hat am Nachmittag Br. Niklaus Kuster aufgezeigt. Die franziskanische Bewegung greift prophetische Impulse des Bischofs Rufino auf und radikalisiert sie - radikaler und weit friedlicher zugleich noch als es die französische Revolution 1789 tun wird. Sr. Imelda Steinegger und Nadia Rudolf von Rohr haben in einem Kunstatelier Holzschnitte betrachtet, in denen Sigmunda May Jesu befreiende Begegnungen mit Menschen in unsere Erfahrungswelt hinein sprechen lässt. Eine bibliodramatische Szenenfolge ermutigte schliesslich dazu, den Auftrag Jesu, "mit leeren Händen Frieden in Dörfer und Häuser zu tragen", im eigenen Alltag zu leben.
Der Bildungstag findet eine Fortsetzung am 31. Januar 2015 im
Franziskanischen Forum zum Thema:
Friede ohne soziale Gerechtigkeit?

„Gerechtigkeit und Friede küssen sich“ (Psalm 85).
Friede ist ohne Gerechtigkeit undenkbar. Wer hätte nicht gerne, dass Justitias Waage in Balance wäre? Wie aber diese herstellen? Was ist ausschlaggebend dafür und was trägt zu einer umfassenden Friedensordnung bei? In letzter Konsequenz kostet Gerechtigkeit uns alle etwas. Sei es Geld, Toleranz, Engagement, Solidarität. Friede, der daraus erwächst, ist mehr als Ruhe, Recht und Ordnung.
Das Franziskanische Forum ergründet unsere Friedensvisionen und fragt mit Fachleuten aus Sozialarbeit, Wirtschaft, Kirche und Politik nach dem Fundament echten Friedens.

