Ranftweg

Friedensabend im Ranft

 
Ranftgebet2013-RosenZwei Rosen von sieben stehen in Blüte, während fünf etwas kümmerlich in der Schale liegen und ihre Stängel und Blätter in der Schüssel daneben sind. So zeigte sich der Altar der grossen Ranftkapelle am Samstagabend des 3. Advents nach der Eucharistiefeier.
Eine Symbolhandlung mit den Rosen hat zuvor in der kleinen Ranftkapelle tief ergriffen. Sie war Teil des besinnlichen Weges, der vierzig Personen von Sachseln in den Ranft und achtzig Personen vom Flüeli über vier Etappen in die Melchaaschlucht geführt hat. Vierhundert Kerzen im Schnee und der fast volle Mond über den Bergen wiesen ihnen den Weg in die winterliche Stille, in die Tiefe und in eine bewegende Gemeinschaftsfeier.
 
Das Friedensgebet der franziskanischen Schweiz bildet - eine Woche vor der Jugendnacht im Ranft - traditionell den letzten Höhepunkt des gemeinsamen Jahres. Es stand unter dem Motto "Werden am DU Gottes".
 
Die erste Station des Meditationsweges erinnerte dankbar an unsere Geburt und Taufe: Meine Eltern brachten mich zur Welt und wünschten mir damals einen Platz in der Glaubensgemeinschaft – und mit der Taufe, dass ich Sohn/Tochter Gottes sei! Weihwasser und ein Kreuzzeichen, das andere in meine Hand zeichneten, verdeutlichten, wie mein Weg mit Gott begonnen hat und wie meine Verwandtschaft vor "Unserem Vater" grenzenlos wurde. 
An der zweiten Station kreiste eine Fackel und dufteten Räucherstäbchen, Zeichen für den Geist, auf den ich seit meiner Jugend und der Firmung als eigenständiger und freier Mensch fest vertraue – und das, wofür ich Feuer und Flamme geworden bin.
Die dritte Station erinnerte an die Lebenswahl und die „Lebensweihe“, die mich erwachsen mit Menschen auf gemeinsamen Lebenswegen verbunden hat, einige in Ehe und Familie, andere in religiösen Gemeinschaften oder als Single in eigen geprägten Beziehungsnetzen: Hände sind am Waldrand Symbol geworden, erst zu einem runden Kreis vereint und dann, sich mit geschlossenen Augen vorwärts tastend und Halt suchend, in einem kompexen, spannenden und teilweise spannungsvollen Miteinander. 
In der oberen Ranftkapelle hat dann nach Taufe, Firmung/Konfirmation und Lebensweihe das vierte Zeichen Raum bekommen: kostbare Salbe, die an die Sorge für Schönheit, Gesundheit, Heilung, Kraft und Sinnlichkeit erinnert, und an die Krankensalbung, die Heil und Heilung für Leib und Seele wünscht - und Kraft im Vergehen!
Die Rose hat das Letztere unterstrichen: mit der Gartenschere langsam und stückweise kürzer geschnitten, führte sie uns leise vor Augen, dass alles Blühendes und Fruchtbares in unserem Leben schwindet, durch Schmerzliches, Einschnitte und das Schwinden unserer Jahre! Doch auch eine kurze Rose  - Symbol für eine kurze verbleibende Lebenszeit - zeigt noch immer ihre Würde und ihre Schönheit!
Das Symbol floss in die Gabenbereitung der folgenden Eucharistiefeier in der vollen grossen Ranftkapelle ein: Sie schaute mit den Propheten auf zum grossen DU über uns, zum Gott der Schöpfung und der Geschichte. Sie feierte mit Franziskus und Klara Gott als menschliches DU mit uns im Bruder und Freund Jesus Christus, und sie sandte uns am Ende auf den Weg mit dem göttlichen DU in uns, Geisteskraft Gottes, Licht, Weisheit und Inspiration in jedem Menschen.
 
Die Gabenbereitung brachte denn auch die Rose mit auf den Altar:
 
Beatrice   „Seht, wie klein Gott sich macht - in der Gestalt des Brotes“, sagt Franziskus:
 Carole      empfängt die Brotschale und stellt sich damit in die Mitte vor den Altar
 
 Beatrice    Schlichtes Zeichen einer grossen Liebe:
 Larissa     empfängt die Vase mit der Rose
 
Beatrice    Einer Liebe, die sich für uns ganz hingab, bis zum Letzten:
 Nicole       empfängt die Schale mit den Rosenstückchen
 
 Beatrice    Klara wird noch inniger als Franziskus: 
                „ER, der alles trägt, lässt sich tragen von dir!
                 ER, den die Himmel nicht fassen, lässt sich bergen
                 im Schoss einer jungen Frau.
                 Deine Seele ist grösser als der Himmel, denn sie ist würdig,
                 den Sohn Gottes in sich zu tragen“:
 Marc          empfängt das Kännchen mit Wein
 Colin          empfängt das Kännchen mit Wasser
Constanze  empfängt den Kelch
Beatrice     leitet die Mitfeiernden zu den folgenden Gesten an:
                 Drei Gefässe für den Altar – und wir selber sind Gefäss! 
                 Formen wir unsere Hände zur Schale – empfänglich für die Liebe
                 und legen wir unsere Hände auf Brust oder Bauch –
                 wir selber dürfen Gefäss und Vase sein:
                 für die LIEBE.
 
Die Impulse des Meditationsweges  und der Feier im Ranft finden sich hier: