Ranftweg

Kultur - Natur - Spiritualität

Schmalkalden-KirchenschaukelNiklaus hat drei Reisen begleitet, die in franziskanisch interessante Welten geführt haben. Zwei Destinationen sind bereits klassisch geworden. Die eine führte durch Thüringen, wo junge Pädagoginnen und Religionslehrer den Spuren Elisabeths folgten: eine politisch mutige Landgräfin, die in ihrem Glauben an die eine Taufe und an den einen Abba aller Standesgrenzen überwand und als Königstochter schliesslich zur Schwester der Ärmsten wurde.

Thüringen bewegt mit seiner reichen Geschichte in der "Mitte Deutschlands" und gefällt mit seinen gut erhaltenen Städtchen, die nach der Wende dank Solidaritätsbeiträgen musterhaft renoviert worden sind. Kirchlich beeindrucken seine Gemeinden in einer nachchristlichen Gesellschaft. Gerade noch 25% der Bevölkerung sind getauft, und nur 5% sind katholisch. Ohne gelebte Ökumene würde das Christentum bedeutungslos werden. Und die Kirchen treten mit innovativen Ideen auf, um ihre Botschaft an Menschen zu bringen, die vom christlichen Glauben gänzlich unberührt sind. Das Bild zeigt die Reisegruppe in der evangelischen Stadtkirche von Schmalkalden. Wo sich einst die Fürsten und Vordenker der Reformation 1531-1537 alljährlich trafen, erschliesst eine junge "Kirchenpädagogin" den Gottesdienstraum modernen Zeitgenossen. Eine Woche der fünf Sinne liess ganzheitlich erleben, dass der Glaube Jesu beschwingt, erleuchtet, aufhorchen lässt und kost-bar wird (verkostet werden kann). Das Bild zeigt eine Mitgereiste auf der Kirchenschaukel, die sie von Gefährten angestossen mit 30 m Seillänge leise durchs ganze Kirchenschiff schweben lässt.

Wie anziehend Thüringen mit seinen Landschaften, alten Städtchen und historischen Orten wie auch als Wirkstätte der hl. Elisabeth ist, zeigt die Tatsache, dass kurz nach Niklaus auch Nadia und Imelda eine Gruppe in die "Mitte Deutschlands" begleitet haben. Imelda sorgte als versierte Begleiterin in den Sommerferien für den "Hattrick", indem sie einen vollen Bus mit Entdeckungsfreudigen des Klosterkreises Dornach in die Welt Elisabeths und Martin Luthers einführte.

Prag-Altstädterring2013Ein zweites klassisches Reiseziel des Tauteams liess fünfzig Urnerinnen und Urner Prag und Böhmen erkunden. Einst die Mitte Europas, erzählt die "Goldene Stadt"  eine bewegte 1000-jährige Geschichte, in der auch Schwester Agnes fasziniert. Je ein Tag galt dem kaiserlichen Prag mit seinen Higlights (Veitsdom, Burg, Karlsbrücke, Universität), der franziskanischen Welt der Königstochter Agnes, der jüdischen Josefstadt mit seinen Synagogen und seinem alten Friedhof, dem frühreformatorischen Prag des Jan Hus und der Hussiten, und dem sozialistischen Tschechien mit seinem Prager Frühling und seiner Samtenen Revolution. Zwei Ausflüge führten ins ehemalige Sammel-KZ von Theresienstadt mit seinen Nazigräueln und in die Silberstadt Kutna Hora, die Europa einst mit dem "Böhmischen Groschen", dem Schweizer Franken des Mittealters versorgte.

Das Bild zeigt den Altstädterring, einst und noch immer vitales Zentrum des bürgerlich-geschäftigen Prag. Der Weg zum Agneskloster führt von hier durch das einstige jüdische Ghetto an den früheren Stadtrand im Schwemmland der Moldau.

Bacharach-Wernerkapelle2Mit einer dritten Reise wagte Niklaus sich in Neuland: die kulturelle "Kelter Europas", wie Carl Zuckmayer das Rheinland treffend bezeichnete, begeisterte Mitte August vierzig Interessierte mit seinen Städten und Naturschauspielen von Freiburg und Worms bis Köln und Aachen. Zu den spirituellen Brennpunkten zählen das Zisterzienserkloster Maulbronn (heute eine evangelische Klosterschule!), die neue Abtei St. Hildegard bei Bingen und Köln mit dem Dominikaner Albert dem Grossen, dem Franziskaner Duns Scotus, dem Sozialpionier Adolf Kolping und der Karmelitin Edith Stein. Die Entdeckungsreise durch die kulturgeschichtlich reichste Region nördlich der Alpen wäre nicht abgerundet ohne einen Tag in Aachen, frühmittelalterliche Mitte des Abendlandes und ältestes Welt-UNESCO-Erbe Deutschlands, und ohne den Etappenhalt der Rückreise in Trier, antike Residenzstadt der römischen Kaiser, älteste Stadt Deutschlands und erstes Bistum in unserem Sprachraum.

Doch faszinierten nicht nur die UNESCO-Stätten in der "Völkermühle Europas". Auch kleine, leise Orte haben ihre bewegende Botschaft. Tief berührte etwa die Stunde im Winzerstädtchen Bacharach am Rhein, unweit der Loreley. Hier ragen die gotischen Ruinen der Wernerkapelle in den Himmel. Eine Ritualmordlegende aus England hat, um 1290 hierher importiert, Judenverfolgungen von Köln bis Basel provoziert und eine Wallfahrt zum ermordeten Werner begründet, deren letzte Prozessionen im nahen Oberwesel erst lange nach dem jüngsten Konzil zu Ende gekommen sind. Ein Verein engagierter Laien hat die von Franzosen im 17. Jh. zerstörte gotische Wallfahrtskirche für 6 Mio € restauriert und zu einem eindrücklichen Ort jüdisch-christlicher Verständigung gemacht. Das Bild zeigt die Reisegruppe mit den Höhen der Mittelrheinschlucht und der Stadtkirche von Bacharach im Hintergrund am Eingang zur imposanten Ruine der Wernerkapelle.

 

Béziers-FlussBrücke2Verheissungsvoll sind die Anfänge unserer franziskanischen Entdeckungsreise durch Südfrankreich: eine im hohen Mittelalter bewegte Welt, in der Dominikus seinen Predigerorden ins Leben rief, die Franziskaner unter Antonius von Padua Konvente gründeten und die römische Kirche gegen Katharer und Waldenser zog. Imelda und Christian Kuster begleiteten eine anspruchsvolle Gruppe an Brennpunkte dieser Geschichte. Von Lyon nach Albi, von Toulouse nach Montpellier und vom Zentralmassiv bis ans Mittelmeer erlebten die Mitreisenden reizvolle Landschaften, grossartige Kunstwerke und vitale Städte. Französisches savoir vivre in der krisengeschüttelten Grande Nation tut Alemannen ebenso gut wie die Besinnung auf Licht und Schatten der christlichen Geschichte.

Das Bild zeigt die alte Brücke von Béziers mit der Kathedrale, die an Greuel der Albigenserkreuzzüge erinnert.