Jahreswende im Mattli
Sinnlich - sinnvoll ins Neue Jahr
Festliche Stunden schliessen Tiefsinn nicht aus. Auch auf diesen Jahreswechsel hin hat das Mattli zu besinnlich gestalteten und zugleich heiteren Tagen eingeladen. Sr. Imelda Steinegger und Br. Niklaus Kuster knüpften dazu an Eremo-Erfahrungen an. Schon Franziskus hat sich zu besonderen Zeiten an besondere Orte zurückgezogen.
Seine "eremi" lagen alle ausnahmslos in einer zauberhaften Landschaft, luden zu Tagen in einem familiären Kreis, mütterlich umsorgt, in tragenden Rhythmen, mit persönlichen Freiräumen und gemeinsamen Zeiten - unerreichbar für alle Erwartungen. Letzteres hat eine Gruppe interessanter Leute, die im Beruf kirchlich, schulisch oder sozial gefordert sind, denn auch über Silvester-Neujahr gesucht. Das Mattli, über diese Tage still und ohne Kurse, hat sich als überaus schönes Eremo erwiesen.
Silvester
Der Silvestervormittag stand im Zeichen von Franziskus' und unseren eigenen "Jahrringen". Eine Holzscheibe lud dazu ein, die eigenen Jahre zu zählen und den neusten "Jahrring" in seinen Farben zu betrachten. Den Nachmittag genossen wir bei strahlender Sonne auf dem Weg der Schweiz nach Sisikon und auf dem Schiff bei einer Rundfahrt um den Urnersee, auf dem wir vor Brunnen das letzte Tageslicht 2012 verabschiedeten (Bild auf der Startseite).
Den Abend verkosteten wir nach besinnlichen Stunden und intensiven Gesprächen bei einem heiteren Festessen, für das der Mattlikoch Helmut feinsinnig-sinnlich "zauberte".
Neujahr
Am Neujahrsmorgen wanderten wir nach Ingenbohl in die Festliturgie der Schwesterngemeinschaft. Der Apero wartete im schwesterlichen Pilgerhaus Mutter Theresia. Zum Neujahr haben wir, wie schon am Silvestermorgen rückblickend, einen meditativen Weg gleichnishaft gedeutet und mit dem inneren Auge in die kommenden Monate hinein befragt.
Bild: Urnersee an Silvester vom Weg der Schweiz aus vor dem Abstieg nach Sisikon
Die Impulse des Weges vom Neujahr-Nachmittag seien hier in aller Kürze wiedergegeben,
da sie ins beginnende Jahr schauen lassen und dazu ermutigen,
die Wege 2013 wach zu gehen und vertrauensvoll zu gestalten.
1. Das erste Wegstück führte auf dem Strässchen vom Mattli Richtung Morschach.
Als route kündigt es an, dass vieles auch im 2013 routiniert geschehen wird,
in gewohnten Bahnen verlaufen, sicher und zugleich festgelegt.
2. Auf dem Weg durchs nahe Quartier mit seinen vielfältigen Wohnhäusern
kommen die Menschen vor Augen, denen ich in meiner eigenen Lebenswelt begegne:
gut gestellt und besorgt, familiär getragen/gefordert oder single, jung oder betagt.
Was wünsche ich ihnen in aller Stille in ihr neues Jahr?
3. Der Abzweiger von der Quartierstrasse in den Vita Parcours erinnert daran,
dass von Normen und Erwartungen abweichen können muss,
wer seinen ureigenen Weg geht und seiner Berufung folgt.
Wie geht es mir, wenn ich vom Weg abweiche, den andere für den gängigsten halten?
4. Der Aussichtspunkt auf den Felskanzeln über Brunnen lässt staunen und innehalten:
Der höchste Punkt ist erreicht. Er steht für Erfolgserlebnisse,
für Höhepunkte im den nächsten Monaten, erwartete und angestrebte,
oder auch überraschende Highlights, die sich im begonnenen Jahr einstellen.
5. Der Chänzeliweg führt an Abgründen vorbei und lädt ein,
an Gefährtinnen und Gefährten zu denken, die unsere Wege auch mitgehen,
wenn diese Mut erfordern, Nerven kosten und riskant sind.
6. Der Abstieg zum Bach steht im Zeichen steiler Kurven,
die wir 2013 gut zu nehmen hoffen und glücklich zu überstehen hoffen.
7. Das Brücklein vom Wald in die Wiese bereitet mental auf Übergänge vor,
die das neue Jahr bringen wird, kleinere oder grössere,
in denen sich das Leben spürbar und sichtbar verändert.
8. Die letzten Schritte aus dem kalten Wind zurück ins warme Mattli
lassen an das bergende Zuhause eines und einer jeden denken:
was gibt mir mein eigenes Zuhause - und was braucht es von mir
im neuen Jahr an Einsatz und Sorge?
Es sind dies acht Fragen, die sich so und ähnlich auch auf anderen Spazierwegen
der eigenen Umgebung im Herzen bewegen lassen.
Am Neujahrsabend sorgte Krzysztof Kieslowskis Film "Bleu"
für ein überaus bewegendes Kinoerlebnis:
Selbst wer den preisgekrönten Filmklassiker von 1993
schon mehr als einmal gesehen hatte,
kam durch die gemeinsame Verarbeitung am Tag darauf
zu ermutigenden neuen Einsichten für den eigenen Weg.
Der tiefsinnigste Film aus der Trilogie "Trois Couleurs"
schildert das bewegende Schicksal einer Frau,
die ihre Vergangenheit annehmen muss,
um ihre Gegenwart wieder vital zu leben
und sich für eine neue Zukunft zu öffnen.
Der polnische Regisseur ruft dazu auf,
die je eigene, persönliche Freiheit im Zusammenspiel mit anderen zu entfalten,
immer wieder und immer tiefer zu finden und auf gute Art zu nähren.

