Jahresbericht Tauteam 2011/12
Lk 10, 1-11
Jesus bestimmte weitere siebzig Boten (1) und sandte sie (2) zu zweien aus (3). Sie sollten vor ihm her in alle Städte und Ortschaften (4) gehen, durch die er kommen würde. Er sagte zu ihnen: »Hier wartet eine reiche Ernte, aber es gibt nicht genug Menschen, die helfen, sie einzubringen. Bittet den Herrn, dem diese Ernte gehört, dass er die nötigen Leute schickt! (5). –
Und nun geht! Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe (6). Lasst euch unterwegs nicht aufhalten. Wenn ihr in ein Haus kommt, sagt zuerst: ‘Frieden sei mit diesem Haus!’ Wenn dort jemand wohnt, der für diesen Frieden bereit ist, wird euer Wunsch an ihm in Erfüllung gehen. Andernfalls soll der Friede zu euch zurückkehren (7). Bleibt in diesem Haus und esst und trinkt, was euch angeboten wird; denn wer arbeitet, hat ein Anrecht auf Lohn (8). Wenn ihr in eine Stadt kommt und sie euch aufnehmen, dann esst, was euch angeboten wird (9). Heilt die Kranken in der Stadt und sagt allen Leuten: ‘Gott richtet jetzt seine Herrschaft bei euch auf!’ (10) Aber wenn ihr in eine Stadt kommt und niemand euch aufnehmen will, dann geht hinaus auf die Straßen der Stadt und ruft: ‘Sogar den Staub eurer Stadt, der sich an unsere Füße geheftet hat, wischen wir ab und lassen ihn euch da (11). Aber das sollt ihr wissen: Gott richtet jetzt seine Herrschaft auf!’ ...
Die Siebzig kamen zurück und berichteten voller Freude (12).
Wir suchen unser Teamjahr im Spiegel dieses Evangeliums zu betrachten. Zu den einzelnen Grundmotiven im Text (mit Ziffern gekennzeichnet) ist folgendes zu bemerken:
1. Botinnen und Boten
Jesus wählt zweiundsiebzig Boten. Wer sind unsere Botinnen und Boten, die den Auftrag in der INFAG-CH weiterführen? Es sind deren viele! Wir laden euch Verantwortliche unserer Gemeinschaften ein, dazu einen Blick ins „Panorama Franziskanische Schweiz 2012“ zu werfen, das Rös Steffen mit viel Sorgfalt erarbeitet hat. Es nennt Seite 9-12 gegen sechzig Kursanbieterinnen und Bildungsarbeiter aus unseren Gemeinschaften. Fraglos gibt es über sie hinaus auch weitere, die nicht namentlich aufscheinen wollen. Sie alle tragen etwas von unserem Charisma in die Welt und tragen zum Aufbau des Himmelreiches bei. Es sind mehr als 72 Boten.
Zum Panorama: http://www.tauteam.ch/angebote-der-franziskanischen-schweiz.html
2. Sendung - Grundauftrag „Geht hin!“
Heribert Arens hat an der INFAG-GV im Oktober 2011 eindringlich daran erinnert, dass unser Älterwerden die akute Gefahr birgt, uns in der Binnenwelt unserer Gemeinschaften zu verlieren, uns weitgehend internen Fragen und Strukturproblemen zu widmen und dadurch unsere Sendung zu vergessen. Der Weg in die Welt, Dialog mit Menschen von heute, soziales Engagement, Friedenspolitik und Einsatz für die Schöpfung sind Kennzeichen des franziskanischen Charismas und unserer Lebensform. Es ist und bleibt unser Anliegen, dass die dringlichen Fragen von Heribert Arens in der INFAG-CH weiter bedacht werden.
Wir erinnern dazu an die entsprechenden Beiträge in Tauzeit 2012 Nr. 52 (März).
3. zu zweit unterwegs
Als Tauteam haben wir das Privileg, nicht als Einzelkämpferinnen zu wirken. Oft begleiten wir Reisen und Kurse zu zweit oder zu dritt. Die Teamtage selber sehen uns zu fünft am Ball: Sr. Anna Gasser bringt weiterhin Menzinger Farben ein, Sr. Imelda Steinegger kommt jeweils vom Ingenbohler Hügel, Rös und Walter Steffen bringen Luzerner Stadtluft mit, Nadia Rudolf von Rohr Morschacher Bergwind und Br. Niklaus Kuster reist aus allen Windrichtungen an. Dieses Jahr ist der erweiterte Kreis von Mitarbeitenden, die unsere Reisen, Pilgerwege, Weekends, Ranftanlässe und Bildungstage mittragen, weiter gewachsen. Wir sind dankbar für ihre Einsätze, die von viel Idealismus getragen sind. Die Namen dieser wertvollen Gefährtinnen und Gefährten stehen auf unserer Homepage: http://www.tauteam.ch/mitglieder/66.html
4. viele Orte
Jesus sandte seine Boten durch ganz Galiläa. Unser Wirkfeld ist die franziskanische Schweiz. Erkennt Ihr eure Orte und Niederlassungen auf der aktuellen Karte wieder?

Die INFAG lässt uns seit 16 Jahren einen zweifachen Auftrag wahrnehmen: erstens die franziskanische Schweiz zu vernetzen und zweitens das franziskanische Charisma über unsere Kreise hinaus sichtbar, hörbar und erfahrbar zu machen. Wen wundert es da, dass die Hälfte der Teammitglieder als öV-Freaks mit GA unterwegs sind? Die andere Hälfte – Anna, Rös und Walter – leisten uns mit PWs wertvollste Transportdienste!
5. Erntearbeit
Es fehlt an Arbeiterinnen und Arbeitern! Welche unserer Gemeinschaften könnte dieses Lied Jesu nicht mitsingen? Dass wir bei schwindenden und vielerorts fehlenden Kräften weiterhin für die interfranziskanische Ernte freigestellt sind, macht uns euch Oberinnen und Obern gegenüber speziell dankbar. Wir stellen fest, dass an unseren Anlässen die Zahl von Schwestern und Brüdern von Jahr zu Jahr abnimmt, dass aber franziskanisch Interessierte und spirituell Suchende aus den verschiedensten Milieus auf unsere Quellen ansprechen. Die Ernte bleibt gross und sie wird immer vielfältiger.
Die Grafik spiegelt die Zusammensetzung des Plenums an unserem Forum, das Anfang Februar im Mattli getagt hat. Es hat unter Mitwirkung des Pastoral-soziologischen Instituts SG, des Obwaldner Regierungs-rates Franz Enderlin, des Berner Jugendarbeiters René Ochsenbein sowie profilierter Brüder und Schwestern aus unseren eigenen Reihen Situation und Perspektiven unserer Schweizer „Kirchen im freien Fall“ näher beleuchtet – und durchaus ermutigend gewirkt.
6. ohne Geldbeutel – mittellos?
In unseren vielfältigen Tätigkeiten bleiben uns ängstliche Sorgen erspart. Wenn wir auch nicht ohne Geldbeutel unterwegs sind, dürfen wir wie die Jünger damals darauf vertrauen, dass wir für Gastfreundschaft in der franziskanischen Schweiz nicht zahlen müssen. Zudem finanziert die INFAG uns einen Teil der Teamspesen, den Druck des Panorama-Heftes und allfällige Defizite der grossen Anlässe.
Grosszügige Sponsoren wie die Kapuziner, Menzingen und die FG haben uns auch dieses Jahr Tagungen mitfinanziert und den Druck ansprechenden Werbematerials ermöglicht. Gewinne aus den Reisen finanzieren unsere INFAG-Arbeit quer.
7. Friede bringen und erfahren
„Schalom“ im Sinne Jesu bedeutet Lebensfülle und Gemeinschaft – Friede im umfassenden Sinn. Wenn wir in Häuser der INFAG-CH kommen, erfahren wir immer wieder herzliche Offenheit, eine erstaunliche Vielfalt an franziskanischen Lebenswelten und viel Weisheit gerade unter den älteren Geschwistern. Dieses Jahr haben wir dies eindrucksvoll bei den Gastgebenden unserer Teamzeiten erlebt: in Breno und Bigorio, im Mutterhaus Menzingen, im Luzerner Kloster Wesemlin und im St. Beat, bei den Franziskanern im Flüeli-Ranft, im Haus Maria Theresia von Ingenbohl, bei den Minoritinnen im Muotathal, bei den Kapuzinerinnen von Gerlisberg, Solothurn und Notkersegg sowie den Franziskanern von Näfels. Je eigene Schalom-Erfahrungen fliessen von diesen Orten in unsere Arbeit ein.
8 Vom Essen
Die Jünger erhalten alle Freiheit, was Speisen und Tischgemeinschaft betrifft, die Jesus überaus wichtig war. In vielen unserer Häuser und bei Freunden des Teams dankbar zu Gast, erleben wir diesbezüglich vielfältigste Kulturen. Unser INFAG-Bildungstag, im Juni mit der FG gestaltet, appelliert an franziskanische Menschen, Freiheit mit Verantwortung zu verbinden: nicht das Günstigste, sondern das ökologisch Produzierte und fair Gehandelte entspricht heute unseren Werten. Wir hoffen, dass die guten Impulse der Arbeitsgruppe GFS Gehör und Echo finden.
9 In Städte kommen...
Jesus hat seine Jünger durch Galiläa gesandt. Unser Tätigkeitsfeld ist die franziskanische Schweiz vom Bodensee bis zum Genfersee. „Reisen mit Tiefe und Weite“ bringen uns jährlich mit kleineren und grossen Gruppen auch in andere Länder. In den letzten 12 Monaten begleiteten wir franziskanische Reisen nach Prag, nach Thüringen und Hessen, nach Padua, nach Rom und 13-mal nach Assisi. Es sind Entdeckungswege auf den Spuren franziskanischer Leitgestalten. 2013 erweitern wir das Spektrum mit einer Reise durch Südfrankreich.
10 Leute
Die Jünger werden nicht auf eine bestimmte Gruppe fixiert. In der Sprache der Sinus-Milieustudie sind wir zu allen gesellschaftlichen Gruppe gesandt.
Tatsächlich sind in unserer aktuellen Adresskartei mit über 800 Namen bis auf die Eskapisten alle Milieus vertreten. Altersmässig reicht das Spektrum von Kindern und Jugendlichen bis zu Seniorinnen. Was die Kranken der Jüngersendung betrifft: Wir erfahren heilsame Begegnungen und Wege u.a. an Wallfahrtsorten wie Padua, wohin Menschen einiges an Last bringen, in unseren umbrischen Exerzitienwochen und im adventlichen Ranftgebet.
11 Staub abschütteln
Jesus rechnet auch mit Negativerfahrungen. Ob und wo auch wir nicht willkommen sind? Das Staubabschütteln blieb uns in der INFAG-Welt weitgehend erspart. Wenn es Enttäuschungen gab, waren sie leise: Zwei Angebote – die Bigoriotagung und „Assisi bedächtig“ scheiterten an mangelndem Interesse. Die Botschaft unserer Spiritualität allerdings ist hoch willkommen: Unser Adventsgebet füllt mit 140 Personen die untere Kapelle, unsere Homepage verzeichnet täglich viele Zugriffe, unsere Bildungsmaterialien werden auch aus Deutschland bestellt und wir können längst nicht auf alle Anfragen für Vorträge und Reisen eingehen.
12 Voller Freude berichten
Wie die Jünger dann in den „grossen Kreis“ zurückkommen und freudig von ihren Erfahrungen erzählten, tun wir es mit diesem Bericht in eurem Kreis. Herzlich und dankbar
Euer Tauteam

