INFAG GV
Die Verantwortlichen aller Klöster und Ordensgemeinschaften versammelten sich in einem betont geschwisterlichen Kreis. Am Vormittag forderte sie der deutsche Franziskaner Heribert Arens heraus, dessen markantes Referat die veränderten Zeichen der Zeit skizzierte: In Europa sind die Kirchen und die Orden einem rasanten Schrumpfungsprozess unterworfen. Leidenschaftlich und gelassen zugleich rief der Bruder aus Bayern dazu auf, verschiedenen Ungeistern keine Chance zu geben: der Schwarzmalerei, da sie Menschen lähme und daher nicht vom Geist Gottes stammen könne, ebenso der Schönfärberei, die die Realität verkenne und daher die realen Chancen unserer Zeit verpasse; der Verherrlichung der Vergangenheit, da sie wie Lots Frau im Rückblick erstarre und keine Zukunft mehr habe; der Gleichgültigkeit, da sich echtes Leben immer wieder neu betreffen lässt, dem bloßen Reagieren, das den Lauf der Dinge nicht mehr selber lenkt, und dem Rückzug ins Private, da nach einer russischen Redensart „nur das ganze Dorf in den Himmel kommt“. Franziskanische Menschen sind in die reale Welt gesandt. Heribert Arens fand offene Ohren, wenn er dazu dem Dachverband die Chancen verstärkter Zusammenarbeit aufzeigte.

