Ranftweg

Prag franziskanisch - eine Studienwoche

Prag Panorama Petřin2019 10Die beste Art, mit einer Stadt vertraut zu werden: sie zu Fuss erkunden! Wir taten es mit thematischen Wegen über die Hügel und durch die Gassen. 

Morgendlicher Blick von "kleinen Prager Eiffelturm" auf die Stadt, die vor 200 Jahren aus fünf Teilstädten zusammengewachsen ist. Anfang der Woche für die meisten meiner Gruppe spannendes Neuland. Ende der Woche vertraut - und lieb geworden! So sehr, dass die ersten bereits nächstes Jahr zurückkehren werden.

Prag Kapuziner Klostergarten

Unser Wohnort hätte idealer nicht sein können: das Kapuzinerkloster bei der Loreta-Kapelle. Wenige Minuten zu Fuss vom Veitsdom und der Burg entfernt. Das Kapuzinerkloster schaut links unten gelblich durch die Bäume. Wir wohnten in rustikalen Zellen des Traktes, der während des Hochschuljahres Studentinnen und Studenten beherbergt. Unser erster stiller Ort, jeweils nach dem gemeinsam bereiteten Frühstück: im Garten des Kapuzinerklosters.

 

Prag Agneskloster Altstadt2 

Das Agneskloster, von der böhmischen Prinzessin 1234 im Schwemmland der Moldau am Rand des jüdischen Ghettos errichtet - fernab des bürgerlichen Hauptplatzes der Altstadt (im Hintergrund mit doppeltürmiger Theynkirche) und der Königsresidenz auf dem Hradschin-Hügel.

 

Prag Agneskloster Brüderkonvent

 

Neu sind auch die Klausurgärten des einstigen Schwesternklosters und der Kreuzgang des Brüderkonvents frei zugänglich: schön gestaltete, stille Oasen, mit Pflanzen, Sitzbänken, dezenter Kunst und viel Ruhe im so bewegten Prag!

 

Prag Agneskloster Klausurgarten4

Der einstige Küchenbau des Agnesklosters. Davor finden sich die ersten unserer Gruppe nach einer meditativen Zeit im Garten wieder ein.

 

Eine weitere franziskanische Perle, die nur wenige Touristen kennen: die Klarakapelle über dem Schloss Troya und über "Klaras Weinberg" - hier vom botanischen Garten aus betrachtet. Prag Klarakapelle SrReginaDie Kapelle selber ist geschlossen, die sie umgebende Natur aber Oasen: er Weinberg mit seinen vielen Rebsorten, Panoramablicken und Duft-Fässchen - und der botanische Garten mit seiner Vielfalt an Pflanzen, Ruheliegen und Gartenbars.

 

Prag TanzendesHaus Vm Meditation

Franziskanisch unterwegs, fanden wir auch solche Orte für eine Zeit des Innehaltens: am Moldauufer, in einer zugänglichen Beiz (die erst am Mittag öffnet), dem "tanzenden Haus" gegenüber, mit dem Rauschen der Moldau und Perlen franziskanischer Weisheit im Ort. Wie sagt doch das "Sacrum Commercium"? - die Kloster der Brüder ist die Welt, soweit das Auge reicht!

Und ein Perle anderer Art, die uns auf dem jüdischen Friedhof bewegte: 

 

Jüdisches Prag: in zwölf Schichten liegen die Gräber, seit dem Hochmittelalter nie in ihrem Frieden gestört. Um die hier Ruhenden nicht zu vergessen, wurden die Grabsteine jeweils mit gehoben. Daher reihen sie sich so dicht und lassen Jahrhunderte zusammenrücken.

Prag JüdischerFriedhof

Wir verbrachten eine Stunde in der Pinchassynagoge, in der 70'000 Namen von mährischen und böhmischen Jüdinnen und Juden aller Generationen zusammen mit Klagespalmen erklingen: eine tief bewegende Holocaust-Gedenkstätte.Im Kontrast dazu der Friede dieses unberührten Friedhofes gleich hinter der Synagoge. Hier liessen wir auch die folgende Weisheit auf uns wirken: "Wann erkennen wir den Moment, in dem die Nacht zum Tag wird?" fragte ein Rabbi seine Schüler. "Wenn ich am Horizont einen Berg sehe und unterscheiden kann, ob er felsig oder grün bewachsen ist", antwortete ein erster. - "Die Antwort ist näher und lebendiger", erwiderte der Rabbi. - "Wenn ich in ein Feld blicke und eine Eiche von einer Buche unterscheiden kann", versucht es der zweite. "Die Antwort ist näher und lebendiger", erwiderte der Rabbi. - "Wenn ich in einer Wiese Kleinvieh sehe und unterscheiden kann, ob es Schafe oder Ziegen sind", schlug ein dritter vor. - "Die Antwort ist näher und lebendiger", erwiderte der Rabbi, und fährt leise fort: "Wenn ich in das Gesicht von zwei Fremden schaue und erkenne, dass es meine Schwester und mein Bruder sind! Dann wird die Nacht zum Tag!"

 

PS:

Am Tag, als uns diese Geschichte berührte, protzte der italienische Noch-Innenminister Salvini mit einem franziskanischen Tau-Zeichen auf seiner sonnenbraunen Brust an einem Strand! Ein Politiker, der Flüchtlingen auf dem Meer den Tod wünscht und schutzlose Fremde als Staatsfeinde behandelt - unchristlicher geht es nicht! Und wie im Holocaust finden Opfer auf dem Meer kein Grab, an dem Liebste ihrer gedenken könnten.