Ranftweg

Friedensinsel Schweiz...

AdventsgebetRanft-2015obKapelleDer Ort könnte friedvoller nicht sein - und erinnert zugleich an Dramen der Menschheit gestern und heute. Der Weg führt in eine tiefe Schlucht - und öffnet den Blick dennoch weit in die Welt. Die Winternacht mitten in den Alpen könnte dunkler nicht sein - und erstrahlte für einen Abend zauberhaft durch unzählige kleine Kerzenflammen. 

Wie jedes Jahr lud die franziskanische Schweiz zu einem Friedensgebet im Ranft, wo Bruder Klaus als Friedensstifter und Nationalpatron gelebt und gewirkt hat. Zwei Meditationswege durch die Nacht zum dritten Adventssonntag rückten den eigenen Alltag und seine Sehnsucht nach "Licht aus der Höhe und Schritte des Friedens" ins Zentrum. Die gemeinsame Eucharistiefeier bat um Lichtblicke in die grossen Konflikte auf der Weltbühne und um engagierte Friedenspolitik der Schweiz. Das grosse Fresko über dem Eingang der unteren Ranftkapelle zeigt eine Friedensinsel mitten in Flüchtlingsströmen, eskalierende Konflikte auf Schlachtfeldern und eine überforderte Weltpolitik. Wird die Friedensinsel zum verschlossenen Ghetto oder zur offenen Oase? 

Bild: Jugendliche halfen eine Lichtspur vom Dorf in die Schlucht zu legen. Das Stimmungsbild zeigt die Treppe zur Kapelle mit der Klause von Bruder Klaus. "Licht aus der Höhe auf Wege des Friedens" leitete als biblisches Motto das diesjährige Friedensgebet.

 

 

Ein Ausschnitt aus dem Fresko auf der Rückwand der unteren Ranftkapelle, das die Schweizer Friedensinsel - "wunderbar behütet und verschont" - im Ersten Weltkrieg zeigt, öffnete tief unten in der Schlucht den Blick die heutige Tagesaktualität. Genau hundert Jahre liegt das Drama im Bild zurück - jener erste grosse weltweite Konflikt von 1914-1918. Und doch sprechen seine Details erschreckend aktuell in die Gegenwart:

 

Ranftkapelle-Fresko-1WeltkriegDer Weltfriede ist erneut bedroht: Der Nahostkrieg eskaliert zunehmend. Flüchtlingsströme überschwemmen Europa. Rechtsextremes Gedankengut wird mehr und mehr gesellschaftsfähig. 

Ist und bleibt die Schweiz  eine Insel des Friedens, "wunderbar verschont"?

Unser Land blickt erneut auf Flüchtlingsströme – und in ein Europa, das Stacheldrahtzäune zieht! Deutschland wird dennoch von einer Million Schutzsuchender überschwemmt.

Die Schweiz sieht wirtschaftlich florierend und politisch sicher rund um Europa Kriege toben. Die Zahl der Toten geht in die Zehntausenden – in Afrika, Afghanistan und im nahen Osten. Der islamistische Terror schlägt neu auch mitten in Europa zu.

Heute sind es die Banner der Vereinten Nationen, die strapaziert flattern: Die politischen Führungskräfte in der Schweiz, in Europa und der Welt sind zunehmend überfordert. Abschottung, Inseldenken und zwischenstaatliche Spannungen vergiften die Atmosphäre

Bewaffnete bewachen unsere und europäische Grenzen: Junge Frauen und Männer stehen im Dienst an Grenzen und Fronten. Im Auftrag von uns allen sind sie als Soldaten, Polizistinnen und Grenzwächter täglich mit schreiender Not konfrontiert.

Über aller Dramatik der Welt sind Engel sichtbar und verweist Br. Klaus auf Christus, seit Weihnachten ganz handfest und menschlich die Quelle des Friedens auf Erden. Was immer in der Welt Angst und Sorge bereitet, es gibt Verbündete im Himmel und Wege zu einem friedvollen Miteinander unter allen Menschen. Auch heute gibt es Friedensstifter wie Br. Klaus. Die Engel finden auch in unserer Zeit den Weg zur Erde und Christus wagt es aufs Neue mit uns.

 

Ranft-Adventsgebet2015-Lichter

Genau 111 Schwestern und Brüder, Freundinnen und Freunde von Franziskus haben sich zu Fuss mit Fackeln von Sachseln aufbrechend und in vier Gruppen aus dem Dorf Flüeli in die Schlucht absteigend im Ranft zur Friedensfeier versammelt. Die Eucharistie hat Fra Agostino Del-Pietro, der Provinzial der Kapuziner, geleitet. Aus der Südschweiz stammend, war es seine erste Messfeier am Ort des Nationalpatrons.

 

Zwei-drei Stunden in der kalten Winternacht wurden vor dem Gottesdienst aufgewärmt durch heissen Punsch im Ranfthaus, den uns  Joseph Hirsch und Sr. Christa Fuchs von der Communauté du Chemin neuf sowie unsere Sr. Anna Gasser liebevoll ausschenkten.

Die meisten Gefährtinnen und Gefährten trafen sich anschliessend im Flüeli zu einer familiär gemütlichen Stunde bei heissen Getränken und Klosterchräpfli aus dem Kapuzinerinnenkonvent St. Klara ins Stans, bevor es spätabends wieder nach Hause ging.

 

FlüeliRanft-Franziskaner-Gastfreundschaft

Das Tauteam selbst, seit bald zwanzig Jahren mit der Basisarbeit und Vernetzung des schweizerischen Franziskanien betraut, arbeitete vor und nach dem Ranftgebet im Flüeli gleichsam vor Ort: Gastfreundschaft familiärster Art boten die Franziskaner-Minoriten am oberen Rand des Dorfes.

Das Bild zeigt die Tischrunde am Samstagmittag vor dem Ranfttreffen. Unsere Gastgeber Klaus (ganz rechts), Xavier (in der Mitte) und Damian (zweiter von links) sowie Erika als Köchin (links) trugen dem verstärkten Team beste Sorge: Patrick und Beatrice Hächler, Sr. Imelda Steinegger, Sr. Anna Gasser, Nadia Rudolf von Rohr und Br. Niklaus Kuster (Fotograf). Der jüngste im Bild, Br. Gabriel, wirkt als Pfarrer in jenem Dorf Obwaldens, das ebenfalls mit einem Flüchtlingsstrom in einer Truppenunterkunft seiner nahen Berge konfrontiert ist.

 

Un da fügt sich der Adventsbrief des Tauteams an:

 

In dieser nacht

liefen die rosen der erde davon

und fingen das blühen an

im schnee

Dorothee Sölle

 

 

Flüchtlingskrise-Lesbos-2015NovEin Pressebild aus diesem Winter: Vater und Kind erinnern an unsere Weihnachtsgeschichte – ungeplant und ungewollt!

Sie sind Muslime aus Afghanistan, auf der Flucht durch die Türkei auf der Insel Lesbos gelandet.

Eingehüllt in eine goldglänzende Rettungsfolie und notdürftig vor Kälte geschützt, hoffen sie auf ein Dach und eine sichere Bleibe in Europa.

Gottes Sohn kam in einer Notunterkunft zur Welt, fand verschlossene Türen und floh mit seinen Eltern aus Todesgefahr nach Ägypten: ein Kind mit Migrationshintergrund, auf das heute Milliarden von Menschen ihre Hoffnung setzen!

Die Nächte Europas werden dunkler und länger.

Menschen wandern durch diese Nächte unbekannten Zielen entgegen.

Ausgerissen aus vertrauter Erde, verbrannt und verwüstet, drohen sie das Blühen zu verlernen.

Finden sie im Schnee und durch unseren Winter hindurch neuen Boden, neue Menschen und eine neue Welt, in der ihre Schönheit zum Blühen kommt?