Auf den Spuren der Landgräfin Elisabeth und Martin Luthers
Für das „franziskanische Europa“ ist die Mitte Deutschlands von besonderem Interesse. Entdeckungsreisen spüren den Anfängen nach, die in Thüringen und Hessen im Zeichen der faszinierenden Gestalt Elisabeths stehen, der Landgräfin, die zur Schwester der Ärmsten geworden ist. Diesen Frühherbst haben wir die 16. Reise auf ihren Spuren begleitet.
Im Herbst 1221 über die Alpen gelangt, verbreiteten sich die Brüder des Franziskus im Lauf der folgenden zwei Jahre bis Hildesheim und Magdeburg. 1224 gründeten sie auch in Thüringen erste Niederlassungen. In der jungen Landgräfin Elisabeth gewannen sie eine ebenso mächtige wie sensible Verbündete. Erst 17-jährig, regierte sie als zweifache Mutter und als Landesmutter ein Gebiet, das vom Rhein bis an die Saale reicht. Als Krisenpolitikerin bewältigte sie während einer Italienreise ihres Mannes eine Hungerkatastrophe. Spirituell beraten vom Franziskaner Rüdiger, erkannte sie in allen Menschen unabhängig von Stand und Ansehen ihre Geschwister, da sie zum gleichen Vater im Himmel beten. Nach dem Tod ihres Mannes aus der Wartburg verbannt, gründete Elisabeth im hessischen Marburg ein Hospital: ein schlichter Riegelbau aus Holz und Lehm, dessen Kapelle im Herbst 1228 die erste Franziskuskirche nördlich der Alpen wurde. Nach der „klassischen“ Thüringen-Hessen-Reise vom Juli begleitete Niklaus im September auch den Klosterkreis Olten in Elisabeths Welt. Dabei haben die Pilgernden nicht nur ein wunderschönes Land gleich hinter dem einstigen Eisernen Vorhang entdeckt, sondern kurz vor dem Papstbesuch in Erfurt auch beeindruckende Erfahrungen mit gelebter Ökumene an der einstigen Wiege der Reformation gemacht.