Vor 800 Jahren: Franziskus unterwegs nach Spanien

Bardi-FranziskusSultan 

Franziskus als Prophet des interreligiösen Dialogs

800 Jahre sind es diesen Frühling her, seitdem Franziskus als Bruder in den Norden kam. Sein Weg nach Frankreich und Spanien steht im Zeichen einer Friedensmission. Schockiert vom christlichen Kriegsgeschrei in Spanien, wo die Reconquista durch einen grauenvollen Schlachterfolg beflügelt wurde, suchte der Poverello den brüderlichen Dialog mit dem Islam, während Papst Innozenz III. zum Fünften Kreuzzug aufrief. Franziskus entschied sich 1214 zu einer mutigen Gegenaktion. 

Niklaus Kuster hat am Katholikentag in Regensburg Ende Mai einen Workshop zur franziskanischen Art des interreligiösen Dialogs gestaltet. Obwohl der Vortragsort zu den christlich-islamischen Veranstaltungen in einer Seitengasse hinter dem Dom schwer zu finden war, wurde der Saal überfüllt: hoffnungsvolle Zeichen in die heutige Durchmischung der Religionen und Kulturen - und für fruchtbare Begegnungen.

Die Quellen erzählen von der Entscheidung zur Friedensmission, vom riskanten Aufbruch und Klaras Widerstand, vom beflügelten Unterwegssein durch Südfrankreich, von der Erkrankung des Heiligen in Spanien und seiner Rückkehr nach Assisi. Eine gescheiterte Mission? Franziskus kehrte jedenfalls "gescheiter" zurück: Reich an Erfahrungen im Neuland jenseits von Alpen und Pyrenäen, engagiert er sich in den folgenden Jahren in seinem schnell wachsenden Orden, der 1217 in Spanien, Frankreich, Syrien und Marokko Fuss fassen wird. Und er selber zieht 1219 zu jener Friedensmission, die ihn während des Fünften Kreuzzuges in Ägypten zum Propheten des interreligiösen Dialogs machen wird.

 

Unser Pilgerweg in den Ranft hat die einzelnen Etappen der Mission näher bedacht und in unseren Alltag bezogen:

 

Friedensweg in den Ranft 2014

 

Die Karte zeigt den möglichen Weg vor 800 Jahren: 


Assisi-Santiago-Franziskus1214-Karte

 

 

Franziskus unternimmt insgesamt drei Friedensmissionen in die Welt des Islam.

Die ersten zwei scheitern bereits auf der Hinreise, die dritte gelingt in Ägypten:

 

Franziskus-Islam-3Friedensmissionen

Die Barditafel in der Franziskanerkirche von Florenz zeigt um 1240,

wie Franziskus die Friedenssendung der Apostel auf die ganze Christenheit ("urbi et orbi"),m

die Schöpfung ("Vogelpredigt") und alle Völker und Religionen ("Begegnung mit dem Islam") ausweitete:

"Verkündet das Evangelium allen Völkern bis an die Grenzen der Erde", 

trug der Auferstandene den Aposteln auf.

Franziskus nimmt den Auftrag als Friedensaktivist auf -

und lehrt seine Brüder, durch das Leben zu sprechen und Andersgläubigen "hilfreich" zu sein.

Dadurch bezeugt das Tun, was der Glaube in einer Liebe ohne Grenzen hofft:

dass "unser Vater" sich als Vater aller Menschen erweist.

 

Franziskus-Islam-Bardi-Sendung

 

Die folgende Skizze schildert das Szenario der Schlacht von Las Navas de Tolosa:

 
LasNavasdeTolosa-Schlacht1212

 

Bei Las Navas de Tolosa, einem Ort im andalusischen Jaén am Fuss der Sierra Morena, hatte am 16. Juli 1212 die entscheidende Schlacht zwischen Christen und Muslimen während der Reconquista stattgefunden. Es war die größte Schlacht des Mittelalters. Dabei besiegte ein christliches Bündnis unter König Alfons VIII. die maurischen Almohaden unter Kalif Muhammad an-Nasir (1199 – 1213).

 

Innozenz III. hatte zu einem Kreuzzug gegen die Mauren aufgerufen und der Erzbischof von Toledo ein Bündnis der Königreiche Portugal, León, Kastilien, Navarra und Aragon erwirkt. Alfons VIII. von Aragon schätzte das christliche Heer, das sich zuvor in Toledo sammelte, auf 2.000 Ritter mit ihren Knappen, 10.000 berittene Sergeanten und bis zu 50.000 Mann Fußvolk. Erzbischof Rodrigo von Toledo bezifferte das almohadische Heer auf 185.000 Ritter und eine unbestimmbare Masse von Fußsoldaten sowie ihre Verluste auf 200.000 Mann. Muslimische Quellen berichten gar, dass von 600.000 almohadischen Kämpfern nur 600 überlebten. (Moderne Historiker relativieren diese Zahlen).

 

Der Sieg eröffnete den Weg für die Eroberung des Südens der iberischen Halbinsel. Den Muslimen gelang es in der Folgezeit nicht mehr, sich von dieser Niederlage zu erholen. In den folgenden Jahrzehnten wurde Andalusien von Kastilien und Aragon unterworfen: Córdoba fiel 1236, Sevilla 1248 und Cádiz 1261. Nur die Nasriden von Granada konnten ihre Herrschaft noch bis 1492 behaupten.

 

Vom Sieg im spanischen Kreuzzug beflügelt, rief Innozenz III. 1213 zum Fünften Kreuzzug im Orient auf, der 1217 tatsächlich das Kerngebiet von Sultan al-Kamil in Ägypten angriff. Franziskus wählt zuvor, 1214, den Weg des Dialogs mit den gedemütigten Almohaden, deren neuer Emir sich vorübergehend nach Marokko zurückzog.

Spanien-Karte1212-Reconquista LasNavas-TemplariosGebet